Keine Zeit für die überlange Liebestragödie vor Kornwall? Keine Ahnung, wie die Wirrnisse rund um Tristan und Isolde gestrickt sind? Macht nichts, denn Bayreuth hat seinen Cheferzähler Stefan Mickisch hervorgebracht. Mickisch hat die Gabe, Wagners Werke packend zu erzählen, macht auf manch sorglos behandeltes musikalisches Detail aufmerksam - und das auch noch pianistisch einwandfrei!
Er hat sich nicht nur reflektiv mit Richard Wagners Partituren beschäftigt, sie regten auch seine kreative Ader an. Mangels Sänger geht das Leiden aufgrund der schwierigen Partitur ganz auf den Pianisten Mickisch über - und der macht es sich mit seiner „Tristanfantasie" nicht leicht. Mit 100 Minuten durchgehend anspruchsvoller Virtuosität ist sie eine Musterschülerin der Paraphrasen von Liszt oder Busoni. Brangänes Nachtgesang (zauberhaftes Arrangement!) oder Isoldes Liebestod verbinden sich gekonnt mit der Bach'schen Lehre von der polyphonen Fuge über Elemente des Jazz zur Atonalität.