Empörung der Ahnungslosen – zu Wagners „Antisemitismus“

Im Wagnerjahr 2013 wurde man mehr denn je konfrontiert mit den stets aufs Neue wieder „aufgebackenen“, vor allem von Medien („Der Spiegel“ u.a.) und unwissenden, teilweise auch böswilligen Buchautoren (Gottfried Wagner u.a.) erhobenen Vorwürfen gegen Richard Wagners „antisemitische Einstellung“. Dabei soll den nicht (so) kundigen Wagnerliebhabern „ihr“ Komponist vermiest und denjenigen Menschen, die Wagners Werk fern(er) stehen, suggeriert werden, daß sie sich ihm nicht nähern sollen. Letztlich stecken hinter dieser Vorgehensweise wie gesagt Unwissenheit, aber auch Neid auf das Bessere oder Geniale schlechthin (was die eigene Mediokrität widerspiegelt), niedrige Instinkte, und Arroganz (wer sich nicht kundig machen möchte und trotzdem „gescheit daherredet“, ist arrogant).

Es ist erlaubt, hierzu einmal klärende und deutliche Worte zu sagen, um Argumente an die Hand zu geben, mit denen man diesen „Vorwürfen“ begegnen kann.

Ich verteidige Wagner nicht, da man Wagner nicht verteidigen muß, und bin frei von Wut, Zorn, oder gar Resignation. Ich schreibe diesen Artikel nicht, um mich zu profilieren, in irgendeiner Weise „Aufmerksamkeit zu erregen“ (mir wird genug Aufmerksamkeit zu teil), oder meine „Karriere zu fördern“. Auch das Gegenteil würde ich mit diesen offenen Worten riskieren, da Wahrheitsüberlegungen bei mir Vorrang haben vor Wirkungsüberlegungen.

Zugegeben sei, daß mir die Medien genauso gleichgültig sind wie die „öffentliche Meinung“ („political correctness“), und meine Stellung in der Musikwelt eine unabhängige und freie, lediglich aufgrund eigener Leistung eroberte und ungefährdete ist, was mir die Sache relativ leicht macht.

Ich empfehle, sobald Sie, liebe Wagnerfreunde, in entsprechende Diskussionslagen geraten sollten, dem „ach so gescheiten“  Gegenüber folgende zwei Fragen zu stellen : 

Frage 1 : Hätte der Holocaust des „Dritten Reiches“ ohne Wagner stattgefunden?

Hier wird das Gegenüber überlegen müssen, es wird rattern im Kopf, die Gesichtszüge werden angespannt sein. Die Antwort ist: ja

Sie setzen nach mit:

 Frage 2 : Hätte der Holocaust der Nazis ohne das Christentum stattgefunden?

Diese Frage wird ähnliches auslösen. Sollte das Gegenüber einen gewissen Bildungsgrad besitzen, wird es mit „nein“ antworten müssen.

 1. Warum? 

 Weil der Anti-Semitismus vom Anti-Judaismus herkommt, von Paulus, von den Evangelisten Matthäus und Johannes, und den Kirchenvätern. Man lese die 27 Dokumente des Neuen Testamentes nach und die Literatur der „Patristik“. Es gibt eine erschreckende Fülle von antisemitischen Aussagen, denn - so die „christlichen“ Autoren - die Juden waren bzw. sind die „Christusmörder“ (Karfreitagsfürbitte bei der Katholischen Kirche für die Juden bis heute, 2013!). 


N.B. von Roland R. Ropers (Kulturpublizist):

Papst Benedikt XVI. hatte im Jahr 2008 in geradezu anmaßender Weise folgende neue Formulierung vorgeschrieben:

Wir wollen beten für die Juden.
Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.
Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus, unseren Herrn.


Diese Geisteshaltung des Christentums bewirkte eine 2000 – jährige latente, oft auch in Pogromen sich entladende feindliche Grundstimmung gegen die Juden in ganz Europa. (Die Juden als Ritualmörder, Brunnenvergifter, Hostienschänder, Kinderschänder usw.). Im frühen und hohen Mittelalter errang die Kirche das Religionsmonopol und bestimmte über die Juden, die bald zu den „Ketzern“ gerechnet wurden. Die „wahre“ Religion gebot die Gewaltmission. Da Zwangstaufen kaum erfolgreich waren, griff die Kirche zu „Schutz“-Maßnahmen, indem sie die Juden ghettoisierte (Mainz, Speyer, Köln, Worms, Heidelberg usw.). Seit den Kreuzzügen wurden Juden immer häufiger vor die Wahl zwischen Bekehrung oder Vertreibung gestellt. Vertreibungen und Pogrome wurden fallweise, ähnlich wie Hexenverfolgung bei Pest-Epidemien, die Regel. Martin Luther deutete dieses Leiden als „Strafe Gottes“ für „Unglauben“ und „Verstocktheit“. Er übernahm damit das Judenbild des Mittelalters und überlieferte es der Neuzeit. 

Deswegen kann in puncto Antisemitismus die Protestantische Kirche keineswegs punkten gegenüber der Katholischen, eher im Gegenteil. Martin Luther, der „Reformator“, war leider ein großer Antisemit, ein „Elefanten-Antisemit“ (mein Ausdruck). 

Lesen wir Dr. Martin Luther wörtlich in seinem Buch „Wider die Jüden und ihre Lügen“ (1543): 

Die Juden sind die rechten Lügner und Bluthunde ... Darum, wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz vor dich schlagen und frei und sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel! ... Was wollen wir ... nun mit diesem verworfenen und verdammten Volk der Juden? ... Ich will meinen treuen Rat geben: 1. daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich ...; 2. daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre ... Dafür mag man sie etwa unter Dach oder einen Stall tun wie die Zigeuner, damit sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande ...; 3. daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten ...; 4. daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren; 5. daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe ...; 6. daß man ihnen den Wucher verbiete und nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold ...; 7. daß man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen ... Sorgen wir uns aber, daß sie uns an Leib, Weib, Kind, Gesinde, Vieh usw. Schaden tun möchten ... so laßt uns ... mit ihnen abrechnen, was sie uns abgewuchert haben, sie aber für immer zum Lande austreiben. Denn ... Gottes Zorn ist so groß über sie, daß sie durch sanfte Barmherzigkeit nur ärger und ärger, durch Schärfe aber wenig besser werden. Darum immer weg mit ihnen!“ Ende Zitat Martin Luther.

In der breiten deutschen und internationalen Öffentlichkeit besteht die Meinung, Richard Wagner sei DER große Antisemit gewesen, quasi ein „Schulkamerad“ und „Banknachbar“ von Adolf Hitler persönlich, aber sehr wenige Menschen wissen ob des weitaus GRÖSSEREN und sehr viel folgenreicheren Antisemitismus Martin Luthers. Fast niemand hat überhaupt je davon gehört!  Das heißt, viele ungebildete Menschen sind der Auffassung, Luther kenne keinerlei Antisemitismus, und meinen, Wagner und Hitler wären Zeitgenossen oder gar befreundet gewesen.
Hier stimmen Grundwissen und Gewichtungen nicht, und hier muß neu justiert und neu definiert werden. Vergleicht man objektiv die obigen Passagen Martin Luthers mit den Passagen Richard Wagners in seiner Schrift „Das Judentum in der Musik“, so darf bei meinem gewählten Vergleichsbild Luther als antisemitischer Elefant - Wagner als antisemitische Ameise verblieben werden.

 „Die Shoah ist kein absolutes Novum, kein ´Betriebsunfall´ und keine unbegreifliche Katastrophe“ (Raul Hilberg). Die deutsche Bürokratie hat den massenhaften Mord der Juden nur darum so schnell und gründlich durchführen können, weil sie auf jahrhundertelange Erfahrungen in diesen Vorgehensweisen zurückgreifen konnte. Das kanonische Recht der Katholischen Kirche von Justinian bis zu Papst Pius VI. hat schon sämtliche Maßnahmen enthalten, die die Nationalsozialisten übernahmen:

Ghettos (Judenviertel),
Boykott jüdischer Geschäfte,
Niederbrennung von Synagogen,
Verbrennung von Schriften,
Enteignungen,
Gelbe Kennzeichnung auf der Kleidung,
Berufsverbote, Entfernung aus öffentlichen Ämtern,
Apartheid in den Schulen und öffentlichen Einrichtungen,
Arbeitslager.

Die lange Gewöhnung der Bevölkerung an die Isolation, Verachtung und Verfolgung der Juden hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß der Holocaust fast ohne Widerstand dagegen durchgeführt werden konnte. 

Der christliche Antisemitismus kommt, wenn man das Neue Testament wörtlich nimmt (und kennt), von Jesus Christus selbst. Er (bzw. Johannes bzw. der Autor/die Autoren, die sich für „Johannes“ ausgaben) äußert im Johannes-Evangelium (Joh. 8,44), die Juden hätten den Teufel zum Vater. „Ihr seid Kinder des Teufels“, in der Luther-Übersetzung heißt es : “Ir seid von dem Vater dem Teufel, und nach ewers Vaters lust wolt ir thun.” Es wird von Christus ganz konkret der Teufel als Vater der Lüge mit dem Teufel als Vater der Juden GLEICHGESETZT. Deswegen heißt eines der vier antisemitischen Bücher Luthers folgerichtig. “Von den Jüden und ihren Lügen”. In ungezählten Ansprachen beriefen sich darauf 2000 Jahre später die Nazis. 

Adolf Hitler schreibt in „Mein Kampf“ 1924: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn ... Die Aufgabe, mit der Christus begann, die er aber nicht zu Ende führte, werde ich vollenden.“ Das schreibt Hitler lange vor seinen Bayreuther Festspielbesuchen....

Julius Streicher äußerte noch im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozeß am 29. April 1946: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde: In dem Buch „Wider die Jüden und ihre Lügen“ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten ...“ (siehe oben).

Groß-Nazis wie Streicher, Himmler, Goebbels haben sich zur Rechtfertigung der Judenverfolgungen auf „unseren großen Doktor Martin Luther“ und auf „Gott“ (und niemals auf Wagner) berufen.

Die „Gläubigen“ aller Religionen sind, so sie ihre eigene Religion ernst nehmen, grundsätzlich intolerant gegenüber „Nicht-Gläubigen“ und Minderheiten, und es sollte zu denken geben, daß ebenso wie im NT auch im Koran ein deutlicher Judenhass verankert ist, der vom heutigen Islam auch zunehmend praktiziert wird. Vorbild zum Koran Mohammeds (der ihm vom Erzengel Gabriel „eingegeben“ worden ist) ist die „Bibel“. Man vergleiche durch eigene Komplett-Lektüre AT und NT mit dem Koran! Man erspare sich kurzschlussartige Einsprüche gegen diese von mir erläuterten Zusammenhänge in Unkenntnis der vorliegenden Quellen (auch “Offenbarungen” genannt) zugunsten eines Studiums derselben!

Fazit: der wahre und wirkliche Antisemitismus ist ein Produkt der Religionen, vor allem des Christentums.

 

2. Wagners „Antisemitismus“ – die Theorie

Wagners Schrift „Das Judentum in der Musik“ hat kaum 50 schmale Seiten und macht weit unter 1 Promille seines gesamten schriftstellerischen Werkes aus. Es ist kein zentraler Bereich für ihn. Diese Veröffentlichung wird massiv überbewertet, da man in ihr den einzig angreifbaren Punkt Wagners entdeckt zu haben glaubt.
Cosimas Tagebücher, die auch gerne zur Untermauerung von Richard Wagners “Antisemitismus” herangezogen werden, stammen von Cosima Wagner, und nicht von Richard Wagner selbst. Dieses Faktum ist zu beachten. Es ist bekannt, daß Cosima, die aristokratische Französin und Liszt-Tochter, wirklich antisemitisch eingestellt war, weitaus mehr als ihr zweiter Gemahl Richard Wagner. Sie hat mit Sicherheit die “Aussagen” ihres Mannes nach ihrem Geschmack „gedreht“, ganz zu schweigen von ihrer persönlichen Einflussnahme über Jahre und Jahrzehnte hinweg.
Künstler, Komponisten, Interpreten ohne Neidgefühle gegen erfolgreiche Kollegen sind nicht die Regel. Selbst Wagner muss man diese Gefühle zugestehen können und so darf man wohl die Konkurrenz zu Meyerbeer und Mendelssohn als Grund für seine Einstellung Juden gegenüber nicht außer acht lassen. Diesen Umstand abstreiten zu wollen wäre ebenso abwegig wie dessen Überbewertung, da Wagner auch auf Schumann und Brahms „eifersüchtig“ war. Die wesentlichere Wurzel des Wagnerschen (insgesamt uneinheitlichen) Judenbildes kam aber aus der links-hegelianisch-politisch-revolutionären Ecke. Diese Ansicht war durch die  Auffassung von den Juden als „Kapitalisten“ (Geldgeschäfte) und des „Kopierens von Fremdem“ (keine eigene Identität) geprägt. Wagners Antisemitismus war kein rassistischer, kein persönlicher, kein religiöser, und schon gar kein „gewalttätig-vernichtender“ wie bei Luther oder Hitler, sondern ein sprachphilosophischer, „antikapitalistisch-linker“. Wagner ist eine „antisemitische Ameise“ (mein Begriff). Man vergleiche die etwa gleichzeitigen, in der Intensität weit „schlimmeren“ antisemitischen Schriften von Karl Marx und Bruno Bauer. Ich vermute, dass diese den Medien nicht bekannt sind.  Auch hier ist zu konstatieren, daß in der breiten Öffentlichkeit der Antisemitismus von Karl Marx praktisch unbekannt ist. Den Gesellschaftsphilosophen Bruno Bauer kennt fast niemand, obwohl dieser großen Einfluß auf die Geistesgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hatte.

Das heißt im Klartext, Wagners Antisemitismus war kein besonders gravierender, weder in der Intention noch im persönlichen Umfeld. Dazu paßt, daß bedeutendste jüdische Komponisten und Menschen höchsten Formates sowohl zu seinen Lebzeiten als auch nach seinem Tod (wie Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Bruno Walter oder Alfred Pringsheim  u.v.a.)  sich wenig bis gar nicht um Wagners angeblich so „gefährlichen“ Antisemitismus kümmerten. Im Gegensatz zu den heutigen „siebengescheiten“ Wagnerkritikern kannten die aber die philosophischen Bücher (und zwar alle) Wagners genau!

 Wer ins Detail des „Wagnerschen Antisemitismus“ leuchten möchte - und nur dann wäre man befugt, darüber sinnvoll zu sprechen - sei neben den weiter oben angegebenen (teilweise gar „heiligen”) Büchern verwiesen auf die hervorragende politologische Veröffentlichung „Der Wahn des Gesamtkunstwerks“ von Udo Bermbach (2. überarbeitete Auflage 2004). Hier werden auf knapp 400 textreichen Seiten zugegebener Maßen weit höhere Anforderungen gestellt als beim „Spiegel“ oder bei Gottfried Wagner, aber im Gegensatz zu diesen „Quellen“ wahres Wissen geboten. Wahres, differenziertes Wissen kostet mehr Anstrengung als billiges Oberflächen-Unwissen, und jede Frau / jeder Mann kann frei entscheiden, wozu sie/er eher tendiert: schnelles Halbwissen und „Mitreden wollen“ oder Erarbeitung von differenziertem Wissen durch Forschen, Lesen und Nachdenken, was erheblich mehr Zeit kostet.

 

3. Wagners  „Antisemitismus“– die Praxis

In Wagners 13 Opern (und allen seinen anderen Werken) kommt kein einziges Wort und kein einziger Ton antisemitischen Inhaltes oder Gehaltes vor. Das heißt, keine Opernfigur ist jüdisch konzipiert oder mit jüdischem Namen belegt, oder als solche gemeint. „Antisemitische Musik“ als solche läßt sich sowieso nicht komponieren.
Wagner behandelte viele große Themen in seinen Opernwerken, gewaltige Themen. Er hat - ohne Rücksicht auf den damaligen „Zeitgeist“ - alles komponiert und gedichtet, was ihm wichtig war. Antisemitismus ist nicht dabei.
In diesem Zusammenhang mutet es besonders peinlich an, was die aktuelle Festspielleitung in Bayreuth, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, unterhalb des Festspielhauses  auf Silbertafeln eingravieren ließ, daß nämlich „Venus und Ortrud jüdisch gemeinte Antagonisten zu den heldischen Figuren“ seien (im „Tannhäuser“ bzw. im „Lohengrin“) (Verfasser der Gravuren Hannes Heer u.a.). Venus, die allumfassende, dem griechisch-römischen Mythos zugehörende Göttin der Liebe, und die heidnische Friesenfürstin Ortrud, Radbods Sproß, in eine jüdische Ecke platzieren zu wollen, dazu braucht es eine große Menge an umfassender allgemeiner Unbildung und eine spezielle Nichtkenntnis des Wagnerschen Werkes.
Im übrigen kann und muß man als Operndramatiker „antagonistisch“ komponieren und dichten können. Genau das macht unter anderem Richard Wagners Genie aus.

 

4. Komponierter und gestalteter „Antisemitismus“ bei Bach und Shakespeare

Im Gegensatz zu Richard Wagner komponierte J. S. Bach ganz klar antisemitische Inhalte in seiner Musik. 

In der „Johannespassion“ beginnt es mit der Verbindung Judas + Hohepriester + Pharisäer, die „mit Fackeln, Lampen und WaffenJesus verfolgen, gefangen nehmen und töten wollen. Dann heißt es (Klavierauszug Peters S. 21) „Caiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umbracht für das Volk“ (der Juden).
Es folgt auf S. 46  der Choral: „Christus ... gefangen, geführt vor GOTTLOSE Leut´ und fälschlich verklaget, .....“ – Die „gottlosen Leut´“ sind selbstverständlich die Juden. Pilatus, der Römer, versucht lange, Jesus Christus vor dem Todesurteil zu retten, aber der „jüdische Mob“ besteht in mehreren wuchtigen, von Bach meisterhaft komponierten Chören auf dessen Hinrichtung. Auf S. 126 singt Bachs „Evangelist“: „Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, (doch HEIMLICH, aus FURCHT VOR DEN JUDEN), daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu ...
In der „Matthäuspassion“ heißt es (Klavierauszug Peters S. 14): „Da ver-sammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Ältesten im Volk in den Palast des Hohenpriesters, der da hieß Caiphas, und hielten Rat, wie sie Jesum ergriffen und TÖTETEN.“ (Selbstverständlich handelt es sich bei den aufgeführten Personen mit der Tötungsabsicht ausschließlich um Juden).  

Judas Ischariot (man beachte bereits den Namen Judas und das jüdische Volk, ein beabsichtigter Gleichklang) werden (S. 22) 30 Silberlinge geboten, damit er Jesum „verriete“ – Hier ist also im Evangelium, der „Frohbotschaft des Herrn“ die typisch „jüdische Geldgier“ beschrieben. Auf S. 60 singt der Chor: „Eröffne den feurigen Abgrund, o Hölle, zertrümmre, verschlinge, mit plötzlicher Wut den falschen Verräter, das mördrische Blut.“ (Damit sind Judas und das jüdische Volk gemeint.)  - S. 84.: „Geduld, wenn mich falsche Zungen stechen“ – die falschen Zungen der zwei jüdischen Zeugen vor Gericht. Auch in der „Matthäuspassion“ versucht der römische Prokurator Pontius Pilatus lange, Jesus vor dem „Judenvolk“ zu retten. Auf S. 109 steht: „Denn er wußte, daß sie (die Juden) ihn (Jesum) aus Neid überantwortet hatten.“ Und jetzt kommt der „Oberhammer“. Das aufgebrachte jüdische Volk stößt die von den Kirchen 2000 Jahre lang gepflegte jüdische „Selbstverfluchung“ aus: „Sein Blut komme über uns und unsre Kinder.“ Erst daraufhin überläßt Pilatus Jesum der Hinrichtung, weil die Juden einfach nicht locker ließen. Die Juden als Christusmörder, genau das wirkte bis in Hitlers Holocaust hinein, und legte dafür die Grundlagen. Natürlich verspotten "die Hohenpriester, samt den Schriftgelehrten und Ältesten“ (alles Juden) Christum auch noch gehörig und sprachen:  „Andern hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen“. Wer den Schaden hat ... -  Bei den Spottenden handelt es sich selbstverständlich ausschließlich um Juden, nicht um Römer, Assyrer oder Ägypter! Nicht die Juden, sondern der römische „Hauptmann, und die bei ihm waren (römische Soldaten), und Jesum bewahreten (= bewachten), ... sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“. Demgegenüber spotten die Juden in J. S. Bachs „Spottchor“: „Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz, so wollen wir ihm glauben“.

Außer Bach sei verwiesen auf William Shakespeare. Er dichtete glasklaren Antisemitismus im „Kaufmann von Venedig“. Dies ist so bekannt, daß man darauf nicht näher eingehen muß.

Hieraus ist leicht ersichtlich, wie im Verhältnis unwichtig Wagner der „Antisemitismus“ war, daß er ihn nicht einmal künstlerisch umsetzte, weder in Musik noch in Dichtung.

 

5. Wurden nach 1945 die Schäferhunde abgeschafft bzw. werden heute Schäferhundebesitzer schräg angesehen, weil diese Adolf Hitlers Lieblingshunde waren? Ich gebe gerne zu, daß das Original für diesen Vergleich aus einer öffentlichen Rede Walter Scheels als damaliger Bundespräsident der BRD stammt, die er im Jahr 1976 anlässlich der Eröffnung der Bayreuther Festspiele gehalten hat. Walter Scheel sagte wörtlich: „Hitler liebte Wagner, die Berge und Schäferhunde. Man nimmt es den Bergen und Schäferhunden heute nicht übel.” 

 

6. Warum sollen Wagnerhörer heute ein „schlechtes Gewissen“ haben, während VW- und Audi-Fahrer mit erhobener (unwissender) „Rübe“ durch die Gegend  kurven? Volkswagen war das Lieblingsprojekt Adolf Hitlers, das bis heute erfolgreiche Werk wurde von ihm in Wolfsburg am 26. Mai 1938 (unter Aufmarsch von 80.000 Mann) eröffnet. Sogar der Name „Volkswagen“ stammt von Hitler. Es ist DAS „Führerauto“, DAS Modell für den deutschen Autofahrer, und hat sich als solches bis heute erhalten. Audi ist eine Tochter von VW (ich weiß, daß Audi nicht von Hitler gegründet wurde, der am liebsten persönlich Mercedes fuhr).

 

7. Die heute noch übliche Kirchensteuer fußt auf einem Gesetz von Adolf Hitler. Das Konkordat mit Papst Pius XI. 1933 unmittelbar nach der „Machtergreifung“ war für Hitler immens wichtig und bedeutete eine große, auch internationale Aufwertung, die ihm die Katholische Kirche = der Vatikanstaat als erster Staat der Welt hier zukommen ließ. Beide Seiten (der Vatikan und Deutschland) verhielten sich politisch und haben vom Vertragswerk bis heute entsprechende Vorteile. Der direkte Einzug der Kirchensteuer durch den Staat wurde damals vereinbart, und dieses Hitlergesetz wurde weder von Schmidt noch Kohl noch Schröder noch Merkel außer Kraft gesetzt. Falls Sie Kirchensteuer zahlen, zahlen Sie diese auf der Grundlage eines Hitler-Nazi-Gesetzes. Das sollten Sie  wissen.
Es gibt Leute, die Wagners „Antisemitismus“ glauben beschimpfen zu müssen, und gleichzeitig einen VW oder Audi fahren, einen Schäferhund besitzen, und dazu noch Kirchensteuer zahlen.... !
Weisen Sie darauf hin, daß hier unbedingt umgestiegen werden muß auf Citroen, Katze, und Kirchenaustritt!

 

8. NS-Chef-Ideologe Alfred Rosenberg, Joseph Goebbels und die Mehrzahl der NS-Nomenklatura waren keine Wagnerfreunde. Man hat Hitlers Faible für Wagner lediglich toleriert.

 

9.  Wir reden nichts klein. Grausamkeiten aller Art, und noch dazu planvolle, sind niemals kleinzureden. Es darf festgestellt werden, daß physische und psychische Gewaltanwendung gegen Andere, sei es gegen Einzelne oder Gruppen oder Völker, nicht durch die Religionen (die diese oft genug und bis heute verursachen), sondern nur durch den Humanismus zurückgedrängt wurden und werden können. Die Geschichtsbetrachtung lehrt ausserdem, daß wir Deutsche uns nicht als „Prügelknaben der Welt” fühlen müssen, mit “ewiger Schuld” beladen, usw., trotz der Shoah, für die Wagner keine Verantwortung trägt. Wie „nett“ haben sich zum Beispiel die US-Amerikaner im Laufe ihrer Geschichte den Indianern und den Schwarzen („Niggern“) gegenüber verhalten? (In diesem Zusammenhang sei verwiesen auf den 2012 erschienenen Film „Django unchained“ mit Christoph Waltz). Was haben die russischen Kosaken in Sibirien, Stalin in seinen „Gulags“ veranstaltet? Wie benahmen sich die Belgier im Kongo, die Engländer in Südafrika (Burenkrieg), die Spanier und die Katholische Kirche in Südamerika? Wie verhielten sich Kreuzritter, Normannen, Mongolen, Hunnen, Chinesen, Japaner, Afrikaner im Laufe der Geschichte und teilweise bis heute?

 

10. Was haben Hitler, der „Spiegel“ (stellvertretend für die meisten deutsch-sprachigen Medien), Gottfried Wagner (stellvertretend für die meisten Buchautoren, die über Wagner schreiben), und die Quaker, die meinen, sich posthum über „Charakterschwächen“ und „Antisemitismus“ eines der größten Künstlers und Wohltäters der Menschheit - Wagners -  auslassen zu müssen, gemeinsam?
Sie verstanden und verstehen Wagner nicht. Darüber hinaus und damit einhergehend herrscht ein zu niedriger Bildungsstand. Und es darf über den Charakter derjenigen spekuliert werden, die sehr gerne an Wagners Charakter herumspekulieren, ohne einen kleinen Teil von dessen Leistungen auch nur im Entferntesten zu erreichen.

 

11. Zum Beschluss meine Empfehlung für Zögernde, Unschlüssige und Skeptiker :
Hört doch einmal auf, bei Wagner die Vorurteile und Fehlmeinungen anderer zu beachten. Kauft euch statt dessen eine CD-Gesamtaufnahme der „Meistersinger von Nürnberg“, und lest den Text dazu mit, oder, noch besser, den Text vorher alleine. Dann bekommt ihr etwas mit davon, was das ist: musikalische Herrlichkeiten ohne Ende, Qualität, Intelligenz, Niveau, Geschmack, Humanität, interessanter Geschichtsunterricht, gute Texte und Humor! Ein nie versiegender Brunnen von Glück und Freude tut sich auf.

 

Stefan Mickisch (2013)