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Mitteilungen der Deutschen Richard-Wagner-Gesellschaft Dezember 2002

"Das Liebesverbot" 

Der Einführungsvortrag von Stefan Mickisch auf CD

 

Anläßlich der Liebesverbot-Inszenierung des Münchner Gärtnerplatz-Theaters fand am
10. Februar 2002 im Prinzregententheater eine musikalische Einführung in das Werk statt, - gehalten von Stefan Mickisch. Diese Veranstaltung wurde mitgeschnitten und ist nun auf einer Doppel-CD erschienen. Der Pianist gibt in seinen etwa 90minütigen Ausführungen nicht nur eine ebenso launige wie verständliche Inhaltsangabe der Oper, er breitet ein Kaleidoskop der Klänge aus, die den jungen Richard Wagner zur Zeit der Komposition umgaben und die - bewußt oder unbewußt - Vorbildcharakter für sein eigenes Werk hatten. So verweist Mickisch insbesondere auf die Beeinflussung durch die Melodik Bellinis und die Orchesterbehandlung Rossinis, zeigt aber auch die vielfache Verwandtschaft des jungen Wagner zu den Franzosen oder auch Schubert auf. Dabei ergab seine eigene Forschung folgende Einflußgewichtung: 1. Bellini; 2. Rossini (dessen Verwendung der Banda militare sich auch im Liebesverbot wiederfindet!); 3. Donizetti; 4. Auber (Die Stumme von Portici); 5. Meyerbeer; 6. Spontini und 7. Schubert. Weiterführende Parallelen, etwa bis in die Klaviermusik Chopins, werden erwähnt.

 

All dies behandelt Mickisch mit dem ihm eigenen Humor, der natürlich gerade dem Sujet dieses Stückes entgegenkommt. So gewinnt der Hörer nicht nur einen guten Einblick in die Struktur des Werkes, sondern vermag es auch in seinen operngeschichtlichen Zusammenhang einzuordnen. Mickisch zeigt auf, daß Wagner sich hier auf einem Weg befand, auf dem er keineswegs unbegabt sich erwies, aber auch nicht hätte zum Weltniveau aufsteigen können. Dazu fand er dann seine ihm eigene musikdramatische Sprache, - auf die nicht zuletzt bereits mancher Moment im Liebesverbot hinweist (Tannhäuser, Tristan!).

 

Was man - aus zeitlichen Gründen entschuldbar - vermißt, sind Hinweise auf die von Wagner in den einzelnen Szenen verlangten Schauplätze. Dann hätte vielleicht mancher spätere Besucher der Aufführung eher die szenischen Widersprüche erkannt.

 

Angesichts der stiefmütterlichen Behandlung der Frühwerke ist es aber um so erfreulicher, daß mit dieser Produktion auch dem Hörer zu Hause die Möglichkeit gegeben ist, sich mit dieser Oper bekannt zu machen, und er angeregt wird zu weiterer Beschäftigung. Die Tonqualität ist ausgezeichnet; bei vielen Musikbeispielen kommt man aus dem Staunen nicht heraus.

R.P.

 

Zur CD:

Stefan Mickisch spielt und erklärt Richard Wagner:

Das Liebesverbot: Live-Mitschnitt des Einführungsvortrags am Flügel vom 10. Februar 2002. 2 CDs.

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