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Wie macht Musik Gefühle?
Warum macht Mozarts Totenmesse eigentlich traurig? / Stefan Mickisch sucht nach der Sternenbedeutung von Dur und Moll
Mittelbayerische Zeitung - 26.01.2007 - von Thomas Göttinger

 

Spinnt er jetzt? Macht Stefan Mickisch neuerdings in Astrologie? Oder wie lässt sich das mit den „Tonarten und Sternzeichen“, deren angebliches oder tatsächliches Beziehungsgeflecht er dem Schwandorfer Publikum am 8. und 9. Februar in zwei Vorträgen im „Oberpfälzer' Künstlerhaus" nahe bringen will, sonst verstehen? Und um was zum Teufel geht es da eigentlich genau? „Um 'Musik!“, antwortet er kurz und knapp. Wer blöd fragt, bekommt eben auch eine blöde Antwort.

Wir sitzen am, großen Esstisch im „Künstlerhaus II“ in Fronberg. Mickisch gönnt sich dort für ein paar Tage eine Auszeit. Mal kein Telefon, das einen dauernd stört. Mal kein Management- und Verwaltungskram. Kurzum: Einfach mal Zeit haben, um zu lesen oder sich mit bildender Kunst zu beschäftigen.

Natürlich spinnt Mickisch nicht. Und mit fragwürdiger Sterndeuterei hat er auch nichts am Hut. „Ich komme ja von der Charakteristik und nicht von der Astrologie“, sagt er und ist damit schon mittendrin im Thema. Um die Charakteristik von Tonarten geht es also zunächst einmal. Dahinter steckt der Umstand, dass wir unterschiedliche Tonarten auch unterschiedlich empfinden und charakterisieren, ja sie mit ganz bestimmten Attributen belegen. Am augen- oder besser ohrenfälligsten ist die Unterscheidung zwischen Dur und Moll - Dur wird eher als fröhlich und heiter wahrgenommen, Moll eher mit Trauer und Schmerz in Verbindung gebracht.

Das lässt sich nun weiter differenzieren. C-Dur zum Beispiel gilt seit je her als die Tonart des Lichtes und der Reinheit. D-Dur drückt Freude, Jubel oder auch etwas Majestätisches aus, während d-moll wiederum für tiefste Trauer und Verzweiflung steht. Entsprechend wurden die Tonarten denn auch von den Komponisten verwandt. Wenn zu Beginn des „Weihnachtsoratoriums" die Geburt Christi bejubelt wird, dann lässt Bach dies selbstverständlich in D-Dur geschehen. Mozarts Totenmesse, das berühmte „Requiem“, wiederum verwendet d-moll. Bis dahin ist die Thematik folglich ein alter Hut.

Mickisch verknüpft nun diese Tonartencharakteristik mit den Sternzeichen und entdeckt dabei eine geradezu erstaunliche und überaus schlüssige Korrelation. Ausgangspunkt war und ist für ihn Haydn, der in seinem Oratorium „Die Jahreszeiten (das der Schwandorfer „Oratorienchor“ zum Abschluss der diesjährigen Sommerkonzerte am 20. Mai in der „Oberpfalzhalle“ singen wird) das C-Dur mit dem Sternzeichen „Widder“ in Beziehung setzt: „Vom Widder strahlet jetzt die helle Sonn““.

Für Mickisch steht außer Frage, dass das etwas mit dem Durchbrechen der Sonne zu tun hat, mit dem Frühling, zu dem das Sternzeichen gehört, mit Klarheit auch. Vom „siegenden Licht" spricht er. Auch andere, dem Widder zugeschriebene Charakteristika und Eigenschaften entdeckt er in der typischen Verwendung des C-Dur wieder - das Stürmende, Drängende, Geradlinige etwa - und belegt dies beispielsweise mit Beethovens Fünfter oder dem Finale von Bruckners Achter.

Ausgehend von dieser C-Dur/Widder-Korrelation lässt sich das System nun mit geradezu zwingender Überzeugungskraft anhand des sogenannten „Quintenzirkels“, einem Schema zur Anordnung der Tonarten, weiter führen (siehe Abbildung), und für Mickisch ist das bei weitem kein Zufall, keine bloß theoretische Konstruktion, sondern Ausdruck einer „seelischen Wahrheit“ - etwas, das vielleicht sogar tief in das blicken lässt, was den Kosmos im Inneren zusammen hält, ließe sich vielleicht formulieren.

Mickisch: „Die siebenstufige Tonleiter, mit ihren Intervallen von der Prim zur Qktav, bildet die sie¬ben Planeten ab, während die Zahl „12“ einen kosmischen Raum beschreibt, in welchem sowohl die zwölf Tierkreiszeichen, als auch die zwölf chromatischen Halbtöne und damit die zwölf Dur- und die zwölf Moll-Tonarten des abendländischen Tonsystems schwingen.“ Mickisch sieht demnach eine vollkommen „logische und sinnvolle Verbindung der zwölf Tonarten mit den zwölf Monaten, dem Tagesablauf von 0 bis 24 Uhr und den Sternzeichen“. Und genau das will er an den beiden Vortragsabenden anhand zahlreicher Beispiele und in der von ihm gewohnten charmant-lockeren Art vermitteln.
Seit gut fünf Jahren beschäftigt, er sich mit der Materie. Beschäftigt? Eigentlich müsste man wohl eher von akribischer Forschung sprechen. Denn wie die Beispiele und Belege da im Gespräch aus ihn heraussprudeln, wie er mehr als 2000 Jahre abendländischer Ideen- und Kulturgeschichte zum Beweis ins Feld führt, lässt erahnen, dass er mit dem Thema bei Bedarf wohl auch locker promovieren könnte - vorausgesetzt, er fände einen Professor, der sich darauf einließe.

Eine gewisse Skepsis von Seiten tatsächlicher oder vermeintlicher Intellektueller hat er - Astrologie-Verdacht! - jedenfalls schon erfahren. Doch Mickisch lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen und unterstreicht die Seriosität seiner Erkenntnisse, indem er darauf hinweist, dass er immer noch ein „skeptischer Schwandorfer" sei, also einer, der sich so leicht kein X für ein U vormachen lässt. Aber empfindet er als Pianist und Künstler das, was er sich de' theoretisch erarbeitet hat, auch so? „Wenn ich es nicht empfinden würde, würde ich es nicht machen", stellt er mit Nachdruck klar. Andere Größen des internationalen Musikbetriebs teilen seine Auffassungen offensichtlich.
Der Ausnahmegeiger Gidon Kremer beispielsweise. Bei dessen überaus renommierten Kammermusikfestival im österreichischen Lockenhaus hat er im Juli 2005 in einem Gesprächskonzert die Beziehungen von „Tonarten und Sternzeichen“ bereits thematisiert - mit sage und schreibe 141 auswendig vorgetragenen Klangbeispielen am Klavier. Das Konzert wurde mitgeschnitten und liegt als Doppel-CD bei Mickischs eigenem Label „Fafnerphon" vor.

Den Besuchern seiner Vorträge in Schwandorf verspricht er für die beiden Abende auf jeden fall einen Erkenntnisgewinn und neue Einsichten in die Musik. Bringt dieses Wissen um „Tonarten und Sternzeichen" den Zuhörern tatsächlich etwas? Bringt sie das wirklich weiter? Mickisch: „Ja, wie nicht!?"

 
 

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