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Spinnt
er jetzt? Macht Stefan Mickisch neuerdings in Astrologie? Oder
wie lässt sich das mit den „Tonarten und Sternzeichen“, deren
angebliches oder tatsächliches Beziehungsgeflecht er dem
Schwandorfer Publikum am 8. und 9. Februar in zwei Vorträgen im
„Oberpfälzer' Künstlerhaus" nahe bringen will, sonst verstehen?
Und um was zum Teufel geht es da eigentlich genau? „Um 'Musik!“,
antwortet er kurz und knapp. Wer blöd fragt, bekommt eben auch
eine blöde Antwort.
Wir sitzen am, großen Esstisch im „Künstlerhaus II“ in
Fronberg. Mickisch gönnt sich dort für ein paar Tage eine
Auszeit. Mal kein Telefon, das einen dauernd stört. Mal kein
Management- und Verwaltungskram. Kurzum: Einfach mal Zeit haben,
um zu lesen oder sich mit bildender Kunst zu beschäftigen.
Natürlich spinnt Mickisch nicht. Und mit fragwürdiger
Sterndeuterei hat er auch nichts am Hut. „Ich komme ja von der
Charakteristik und nicht von der Astrologie“, sagt er und ist
damit schon mittendrin im Thema. Um die Charakteristik von
Tonarten geht es also zunächst einmal. Dahinter steckt der
Umstand, dass wir unterschiedliche Tonarten auch unterschiedlich
empfinden und charakterisieren, ja sie mit ganz bestimmten
Attributen belegen. Am augen- oder besser ohrenfälligsten ist
die Unterscheidung zwischen Dur und Moll - Dur wird eher als
fröhlich und heiter wahrgenommen, Moll eher mit Trauer und
Schmerz in Verbindung gebracht.
Das lässt sich nun weiter differenzieren. C-Dur zum
Beispiel gilt seit je her als die Tonart des Lichtes und der
Reinheit. D-Dur drückt Freude, Jubel oder auch etwas
Majestätisches aus, während d-moll wiederum für tiefste Trauer
und Verzweiflung steht. Entsprechend wurden die Tonarten denn
auch von den Komponisten verwandt. Wenn zu Beginn des
„Weihnachtsoratoriums" die Geburt Christi bejubelt wird, dann
lässt Bach dies selbstverständlich in D-Dur geschehen. Mozarts
Totenmesse, das berühmte „Requiem“, wiederum verwendet d-moll.
Bis dahin ist die Thematik folglich ein alter Hut.
Mickisch verknüpft nun diese Tonartencharakteristik mit
den Sternzeichen und entdeckt dabei eine geradezu erstaunliche
und überaus schlüssige Korrelation. Ausgangspunkt war und ist
für ihn Haydn, der in seinem Oratorium „Die Jahreszeiten (das
der Schwandorfer „Oratorienchor“ zum Abschluss der diesjährigen
Sommerkonzerte am 20. Mai in der „Oberpfalzhalle“ singen wird)
das C-Dur mit dem Sternzeichen „Widder“ in Beziehung setzt: „Vom
Widder strahlet jetzt die helle Sonn““.
Für Mickisch steht außer Frage, dass das etwas mit dem
Durchbrechen der Sonne zu tun hat, mit dem Frühling, zu dem das
Sternzeichen gehört, mit Klarheit auch. Vom „siegenden Licht"
spricht er. Auch andere, dem Widder zugeschriebene
Charakteristika und Eigenschaften entdeckt er in der typischen
Verwendung des C-Dur wieder - das Stürmende, Drängende,
Geradlinige etwa - und belegt dies beispielsweise mit Beethovens
Fünfter oder dem Finale von Bruckners Achter.
Ausgehend von dieser C-Dur/Widder-Korrelation lässt sich
das System nun mit geradezu zwingender Überzeugungskraft anhand
des sogenannten „Quintenzirkels“, einem Schema zur Anordnung der
Tonarten, weiter führen (siehe Abbildung), und für Mickisch ist
das bei weitem kein Zufall, keine bloß theoretische
Konstruktion, sondern Ausdruck einer „seelischen Wahrheit“ -
etwas, das vielleicht sogar tief in das blicken lässt, was den
Kosmos im Inneren zusammen hält, ließe sich vielleicht
formulieren.
Mickisch: „Die siebenstufige Tonleiter, mit ihren
Intervallen von der Prim zur Qktav, bildet die sie¬ben Planeten
ab, während die Zahl „12“ einen kosmischen Raum beschreibt, in
welchem sowohl die zwölf Tierkreiszeichen, als auch die zwölf
chromatischen Halbtöne und damit die zwölf Dur- und die zwölf
Moll-Tonarten des abendländischen Tonsystems schwingen.“
Mickisch sieht demnach eine vollkommen „logische und sinnvolle
Verbindung der zwölf Tonarten mit den zwölf Monaten, dem
Tagesablauf von 0 bis 24 Uhr und den Sternzeichen“. Und genau
das will er an den beiden Vortragsabenden anhand zahlreicher
Beispiele und in der von ihm gewohnten charmant-lockeren Art
vermitteln.
Seit gut fünf Jahren beschäftigt, er sich mit der Materie.
Beschäftigt? Eigentlich müsste man wohl eher von akribischer
Forschung sprechen. Denn wie die Beispiele und Belege da im
Gespräch aus ihn heraussprudeln, wie er mehr als 2000 Jahre
abendländischer Ideen- und Kulturgeschichte zum Beweis ins Feld
führt, lässt erahnen, dass er mit dem Thema bei Bedarf wohl auch
locker promovieren könnte - vorausgesetzt, er fände einen
Professor, der sich darauf einließe.
Eine gewisse Skepsis von Seiten tatsächlicher oder
vermeintlicher Intellektueller hat er - Astrologie-Verdacht! -
jedenfalls schon erfahren. Doch Mickisch lässt sich davon nicht
aus der Ruhe bringen und unterstreicht die Seriosität seiner
Erkenntnisse, indem er darauf hinweist, dass er immer noch ein
„skeptischer Schwandorfer" sei, also einer, der sich so leicht
kein X für ein U vormachen lässt. Aber empfindet er als Pianist
und Künstler das, was er sich de' theoretisch erarbeitet hat,
auch so? „Wenn ich es nicht empfinden würde, würde ich es nicht
machen", stellt er mit Nachdruck klar. Andere Größen des
internationalen Musikbetriebs teilen seine Auffassungen
offensichtlich.
Der Ausnahmegeiger Gidon Kremer beispielsweise. Bei dessen
überaus renommierten Kammermusikfestival im österreichischen
Lockenhaus hat er im Juli 2005 in einem Gesprächskonzert die
Beziehungen von „Tonarten und Sternzeichen“ bereits thematisiert
- mit sage und schreibe 141 auswendig vorgetragenen
Klangbeispielen am Klavier. Das Konzert wurde mitgeschnitten und
liegt als Doppel-CD bei Mickischs eigenem Label „Fafnerphon"
vor.
Den Besuchern seiner Vorträge in Schwandorf verspricht er
für die beiden Abende auf jeden fall einen Erkenntnisgewinn und
neue Einsichten in die Musik. Bringt dieses Wissen um „Tonarten
und Sternzeichen" den Zuhörern tatsächlich etwas? Bringt sie das
wirklich weiter? Mickisch: „Ja, wie nicht!?" |