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SCHWANDORF
Stefan Mickisch ist immer Garant für ein volles Haus - egal, ob
in Bayreuth, Wien oder Schwandorf. Also war der Andrang mal
wieder groß, als er am Donnerstag und am Freitagabend in gleich
zwei Gesprächskonzerten im „Oberpfälzer Künstlerhaus" dem
Publikum die erstaunlich vielfältigen und zwingenden
Korrelationen zwischen „Tonarten und Sternzeichen" näher
brachte. Um dabei etwaigen Missverständnissen vorzubeugen,
stellte er klar: „Ich will nicht astrologisch sprechen, sondern
musikalisch!" Und musikalisch ging es vor allem um eines -
nämlich um Tonartencharakteristik.
Die hat es durchaus in sich. Dass es ihm deshalb gelang, die
komplexe Materie auch all jenen nahe zu bringen, die von
Quintenzirkel, Paralleltonarten und enharmonischer Verwechslung
noch nie etwas gehört hatten, spricht einmal mehr für das Talent
des Musikvermittlers Mickisch. Dass er das in der bewährten
Kombination von lockerem, theoretischem Vortrag und praktischen
Musikbeispielen tat, ist von jeher der besondere Reiz seiner
Auftritte. Dass er dann aber auch noch auswendig und vor allem
ohne jegliches Notenmaterial agierte, ist eine Leistung, die
alleine schon den größten Respekt vonnöten macht.
Und so ging es stehend und am Flügel sitzend zur Sache: Es-Dur,
die feierliche, mit Urmythen belegte Tonart, zugeordnet dem
Monat Januar und damit dem Sternzeichen Steinbock, darf sich
unter Mickischs Händen im Beginn von Wagners „Rheingold"
entfalten, nahtlos gefolgt vom berühmten Auftakt zu Straussens
„Also sprach Zarathustra", der die, allerdings nicht von Strauss
stammende Überschrift „Sonnenaufgang" trägt und folglich in
C-Dur steht, der Tonart des Lichts und der Klarheit. C-Dur
wiederum ordnet er einem Diktum Joseph Haydns folgend dem
Sternzeichen Widder und dem Monat April zu.
Entlang des Quintenzirkels, einem System zur Anordnung der
Tonarten, arbeitete sich Mickisch so durch den Jahreslauf und
den Kreis der Sternzeichen, dabei allenfalls die Moll- Tonarten,
die für ihn die jeweils negativere, trübe Seite der Sternzeichen
deutlich machen, etwas vernachlässigend.
Am Ende waren wahrscheinlich nur diejenigen im Publikum
enttäuscht, die sich ihr Jahreshoroskop oder einen Tipp zur
passenden Sternenkonstellation zur Partnerwahl unter besonderer
Berücksichtigung der dabei zu spielenden Musik erwartet hatten.
Es ging eben um Musikwissenschaft und nicht um Sterndeuterei! |