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Die Bremer
Opernfreunde, vornehmlich die Liebhaber der Werke Richard
Wagners, hatten wiederum außerordentliches Glück. Wie bereits
vor einigen Jahren für „Tannhäuser" und „Lohengrin" im
Musicaltheater, kannte nun im Theater am Goetheplatz (13.5.) der
unermüdliche Aufklärer und Wegbereiter in Sachen Opern für die
anstehende Neuinszenierung von „Tristan Lind Isolde" (20.5.)
Wesentliches grandios vermitteln. Es ist eigentlich ausreichend
über diese Einführungsvorträge geschrieben worden, die nicht
mehr nur „Vortrag" genannt werden können.
Nicht nur die Bayreuth-Pilger nehmen alljährlich am
Vorstellungstag Mickischs Erklärungen mit Wort und Flügel
begeistert an. So mancher ernste Wagnerfreund hat nicht vorab
den „Tristan" erleben können. Somit ist der Genuss der folgenden
Vorstellung auf einer weitaus höheren Erkenntnisebene
angesiedelt.
Als begnadeter Konzertpianist und intensiver Wagnerkenner
formuliert Mickisch auf zwiefache Weise seine Deutung. Ganze
Passagen spielt er teilweise ohne Blatt dem verblüfften Publikum
vor. Aber das ist es nicht allein, was ein Erleben der Kunst
dieses Interpreten so interessant macht. Mickisch vermittelt
unendlich viele Episoden und Parallelen zu Wagner, sowohl in
Bezug auf die Komposition als auch auf Lebensumstände der
Zeitgenossen. Dabei kommen natürlich pikante Episoden ans
Tageslicht. Der bis zu diesem Zeitpunkt noch unwissende Hörer
ist erstaunt, der wissende genießt gern zum wiederholten Mal die
Deutungen und Umschreibungen des Musikers und Sprachkünstlers.
Dieser legt übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass
seine Vorträge zwar auf einem von ihm verfassten Konzept
beruhen, er jedoch grundsätzlich frei formuliert. Köstlich seine
Bemerkung, die Zuhörer können ihn nach Inhalten befragen, weil
er dadurch vom anwesenden Publikum ebenfalls lernen könnte -
welch tiefgestapelte Bescheidenheit!
Die größte Beachtung galt natürlich den Titelhelden. Brangäne,
Marke und Kurwenal blieben naturgemäß ein wenig zurück. Nach
Tristans Todesgesängen folgte Isoldes Liebestod mit dem
kompletten Schluss des Werkes. Angesichts des allein auf der
Bühne agierenden Künstlers und der „Produktion" solch gewaltiger
und inniger Tongebung kann man sagen, dass die Wirkung des
soeben Erlebten kaum unterhalb einer ganzen „Normalvorstellung"
liegt.
Das Publikum belohnte den Interpreten mit lang anhaltendem
Applaus.
Hoffen wir auf eine werkgerechte Inszenierung. |