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Bremen
Einführung zu "Tristan und Isolde"
mit Stefan Mickisch
Der Neue Merker - Juni 2007

 

Die Bremer Opernfreunde, vornehmlich die Liebhaber der Werke Richard Wagners, hatten wiederum außerordentliches Glück. Wie bereits vor einigen Jahren für „Tannhäuser" und „Lohengrin" im Musicaltheater, kannte nun im Theater am Goetheplatz (13.5.) der unermüdliche Aufklärer und Wegbereiter in Sachen Opern für die anstehende Neuinszenierung von „Tristan Lind Isolde" (20.5.) Wesentliches grandios vermitteln. Es ist eigentlich ausreichend über diese Einführungsvorträge geschrieben worden, die nicht mehr nur „Vortrag" genannt werden können.

Nicht nur die Bayreuth-Pilger nehmen alljährlich am Vorstellungstag Mickischs Erklärungen mit Wort und Flügel begeistert an. So mancher ernste Wagnerfreund hat nicht vorab den „Tristan" erleben können. Somit ist der Genuss der folgenden Vorstellung auf einer weitaus höheren Erkenntnisebene angesiedelt.

Als begnadeter Konzertpianist und intensiver Wagnerkenner formuliert Mickisch auf zwiefache Weise seine Deutung. Ganze Passagen spielt er teilweise ohne Blatt dem verblüfften Publikum vor. Aber das ist es nicht allein, was ein Erleben der Kunst dieses Interpreten so interessant macht. Mickisch vermittelt unendlich viele Episoden und Parallelen zu Wagner, sowohl in Bezug auf die Komposition als auch auf Lebensumstände der Zeitgenossen. Dabei kommen natürlich pikante Episoden ans Tageslicht. Der bis zu diesem Zeitpunkt noch unwissende Hörer ist erstaunt, der wissende genießt gern zum wiederholten Mal die Deutungen und Umschreibungen des Musikers und Sprachkünstlers.

Dieser legt übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass seine Vorträge zwar auf einem von ihm verfassten Konzept beruhen, er jedoch grundsätzlich frei formuliert. Köstlich seine Bemerkung, die Zuhörer können ihn nach Inhalten befragen, weil er dadurch vom anwesenden Publikum ebenfalls lernen könnte - welch tiefgestapelte Bescheidenheit!

Die größte Beachtung galt natürlich den Titelhelden. Brangäne, Marke und Kurwenal blieben naturgemäß ein wenig zurück. Nach Tristans Todesgesängen folgte Isoldes Liebestod mit dem kompletten Schluss des Werkes. Angesichts des allein auf der Bühne agierenden Künstlers und der „Produktion" solch gewaltiger und inniger Tongebung kann man sagen, dass die Wirkung des soeben Erlebten kaum unterhalb einer ganzen „Normalvorstellung" liegt.

Das Publikum belohnte den Interpreten mit lang anhaltendem Applaus.

Hoffen wir auf eine werkgerechte Inszenierung.

 
 

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