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Griff nach den Sternen
Stefan Mickisch besticht durch Wagner-Kenntnis, Humor und Technik

Nordbayerischer Kurier
- 14. August 2007 - von Barbara Pittner

 

C-Dur - das ist die Tonart des „strahlenden Sonnenhelden Siegfried" und - sie ist dem Tierkreiszeichen Widder zugeordnet. H-Dur und gis-Moll oder as-Moll hingegen sind die Tonarten des Sternzeichens Jungfrau. Treue und Verklärung stehen Wehmut und Todestrauer gegenüber, wie es Richard Wagner in seiner Oper „Tristan und Isolde" musikalisch dargelegt hat. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sternzeichen und Tonarten, so sieht es Stefan Mickisch und illustriert dies eindrücklich in seinem Klavierabend „Mir Wagner durch den Sternenhimmel".
 



Wie ein Entertainer unterhielt Stefan Mickisch sein Publikum - Foto: Martin Ritter (NK)
 

Das evangelische Gemeindehaus ist an diesem Abend proppenvoll, denn die Besucher kennen und schätzen Mickischs Kenntnis der Wagner-Werke, seine pianistische Fingerfertigkeit und nicht zuletzt seine ironisch-humorvolle Sicht der musikalischen Dinge, wie er sie seit 1998 in seinen Einführungs-vorträgen zu den Bayreuther Festspielen zu Gehör bringt. Doch anders als bei seinen „Gesprächskonzerten" tritt bei diesem Klavierabend der brillante Pianist und weniger der „Opernführer" Mickisch in Erscheinung.
Begeistert folgt ihm das Publikum auf seiner Reise „Mit Wagner durch den Sternenhimmel" mit seinen Transkriptionen und Fantasien vom „Fliegenden Holländer" bis zum „Parsifal". Jedem der zwölf Sternzeichen sind jeweils zwei Tonarten zugeordnet und dem Zyklus entsprechend hat Stefan Mickisch den Klavierabend in zwei Teile untergliedert. Er beginnt mit dem „Rheingold" in Es-Dur, der Tonart des Steinbocks, und endet nach zweieinhalb Stunden mit einer fulminanten „Götterdämmerung" in der Skorpion-Tonart Des-Dur.

Keine Astrologie

Zugunsten dieses musikalischen Bogens hat Mickisch den Schützen, das Sternzeichen des Jahresausklangs, vor den Skorpion platziert. Der Pianist nähert sich der Musik nicht als Astrologe, sondern er lässt sich von der "Charakteristik der Tonarten" leiten. So verkörpert B-Dur, die Tonart des Wassermanns, Hoffnung, Frühlingsahnung und dementsprechend erklingt Siegmunds „Lenzeslied" in der „Walküre" in „hellem B-Dur, in dem der Frühling als Symbol für die aufkeimende Liebe der Wälsungen besungen wird", erklärt Mickisch.

In Not und hoffnungslos

Das Gegenstück, die „Schlagseite" dieser Tonart, ist g-Moll. Sie steht für Not und Hoffnungslosigkeit. Als Beispiel dafür wählt Stefan Mickisch „Wotans Not" zu Beginn des dritten Aktes des „Siegfried". F-Dur und d-Moll, die Tonarten des Tierkreiszeichens Fische, spielen im „Fliegenden Holländer" eine entscheidende Rolle. Während F-Dur Natur, Landschaft und pastorale Elemente symbolisiert, steht d-Moll für Sturm und Todesschrecken. In beiden Tonarten kommen die unterschiedlichen Charaktere des Holländers und Sentas zum Ausdruck.
Es ist ein Vergnügen, mit Stefan Mickisch und Richard Wagner - in diesem Fall stimmt die Reihenfolge - durch den Sternenhimmel zu schreiten. Jeweils zu Beginn eines Teils des zweigliedrigen Klavierabends erklärt Mickisch den Zusammenhang zwischen den Sternzeichen und den von ihm ausgewählten „Hits" aus dem Wagnerschen Oeuvre. Rund 150 000 Noten spielt der Pianist auswendig an diesem Abend. Als Vergleich zieht er das 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow heran, das „60 000 " Noten - ohne Triller" habe.
„Mit Wagner durch den Sternenhimmel" besticht nicht allein durch Wagners musikalische Themen und Motive. Es ist vielmehr das hochkonzentrierte Klavierspiel von Stefan Mickisch, das die Zuhörer in seinen Bann zieht - ganz gleich, ob er der „Gralstonart" A-Dur oder der „Löwen- und Liebestonart" E-Dur Ausdruck verleiht.
Begeistert bedankt sich das Publikum mit Bravo-Rufen und stehendem Applaus nach zwei Zugaben bei Stefan Mickisch, und der Blick gen Himmel wird künftig einen anderen Beiklang haben.

 
 

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