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Lockenhaus
Gesprächskonzert
mit Stefan Mickisch
"Missa Solemnis"

Der Neue Merker
- September 2007

 

Kein noch so langer Artikel könnte einem Gesprächskonzert von Stefan Mickisch gerecht werden - daher kann ich allen interessierten Lesern nur die soeben erschienene Mickisch-Doppel-CD zu Beethovens Riesenwerk empfehlen (ein ausgezeichneter Live-Mitschnitt vom Beethovenfest Bonn 2006)!

In über 2 ½ Stunden erschloss Mickisch in der Kirche von Lockenhaus Beethovens Messe - mit dem Ergebnis, es hätte noch einmal so lange dauern können. Mit den einzelnen Sätzen - Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei - führte der Künstler das Publikum in die einer Messe entsprechenden „höheren" Sphären. Die Synkopen - Treibvorgang, als die Nägel Christus ins Fleisch geschlagen werden, die Terzen - ein Schaudern vor Gott, die Triolen und Tremoli - Furcht vor dem Herrn der Heerscharen, bevor der Jubel losbricht (Vergleich mit der 9. Symphonie, Ende des 3. Klavierkonzertes von Rachmaninov), die Unschuld im Benedictus in G-Dur, die Schuldenlast der Welt im Agnus Dei in h-moll, die Auflösung, Erlösung durch Jesus Christus letztendlich in D-Dur (Vergleich mit Händels Halleluja). Beethoven wich der „schwarzen" Tonart h-moll sonst aus, eine dämonische, gefährliche Tonart (Walküre!), die nur von Bach im Religiösen bemeistert wird. „Bach ist immer nur zu erreichen, nie zu übertrumpfen" (Zitat Stefan Mickisch).

Beethovens Große Messe in D-Dur stellte Stefan Mickisch die Messen von Bach - h-moll, und Mozart - c-moll KV 427, gegenüber, sowie Bruckners Messe in f-moll als „Zusammenfassung aller". Der in der Wiener Presse von Gerhard Kramer als „Publikumsliebling" bezeichnete Ausnahmekünstler hatte als Hintergrund für seinen Lockenhauser Auftritt gut 20 der wichtigsten Messen der gesamten Musikgeschichte studiert! Und zwischendurch brachte er noch einige Takte - sonst wäre es kein Gesprächskonzert mit Stefan Mickisch - von 'Wagner; Zitat: „so hätte es geklungen, wenn Wagner eine Messe geschrieben hätte".

Stefan Mickisch hat es wieder einmal geschafft, mit seinem fundierten Wissen und der Einmaligkeit seiner Klavierinterpretation dem Publikum einen tiefen Einblick in ein großes Werk zu verschaffen.

Gertraud Heilmann

 
 

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