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Kein noch so
langer Artikel könnte einem Gesprächskonzert von Stefan Mickisch
gerecht werden - daher kann ich allen interessierten Lesern nur
die soeben erschienene Mickisch-Doppel-CD zu Beethovens
Riesenwerk empfehlen (ein ausgezeichneter Live-Mitschnitt vom
Beethovenfest Bonn 2006)!
In über 2 ½ Stunden erschloss Mickisch in der Kirche von
Lockenhaus Beethovens Messe - mit dem Ergebnis, es hätte noch
einmal so lange dauern können. Mit den einzelnen Sätzen - Kyrie,
Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei - führte der
Künstler das Publikum in die einer Messe entsprechenden
„höheren" Sphären. Die Synkopen - Treibvorgang, als die Nägel
Christus ins Fleisch geschlagen werden, die Terzen - ein
Schaudern vor Gott, die Triolen und Tremoli - Furcht vor dem
Herrn der Heerscharen, bevor der Jubel losbricht (Vergleich mit
der 9. Symphonie, Ende des 3. Klavierkonzertes von Rachmaninov),
die Unschuld im Benedictus in G-Dur, die Schuldenlast der Welt
im Agnus Dei in h-moll, die Auflösung, Erlösung durch Jesus
Christus letztendlich in D-Dur (Vergleich mit Händels
Halleluja). Beethoven wich der „schwarzen" Tonart h-moll sonst
aus, eine dämonische, gefährliche Tonart (Walküre!), die nur von
Bach im Religiösen bemeistert wird. „Bach ist immer nur zu
erreichen, nie zu übertrumpfen" (Zitat Stefan Mickisch).
Beethovens Große Messe in D-Dur stellte Stefan Mickisch die
Messen von Bach - h-moll, und Mozart - c-moll KV 427, gegenüber,
sowie Bruckners Messe in f-moll als „Zusammenfassung aller". Der
in der Wiener Presse von Gerhard Kramer als „Publikumsliebling"
bezeichnete Ausnahmekünstler hatte als Hintergrund für seinen
Lockenhauser Auftritt gut 20 der wichtigsten Messen der gesamten
Musikgeschichte studiert! Und zwischendurch brachte er noch
einige Takte - sonst wäre es kein Gesprächskonzert mit Stefan
Mickisch - von 'Wagner; Zitat: „so hätte es geklungen, wenn
Wagner eine Messe geschrieben hätte".
Stefan Mickisch hat es wieder einmal geschafft, mit seinem
fundierten Wissen und der Einmaligkeit seiner
Klavierinterpretation dem Publikum einen tiefen Einblick in ein
großes Werk zu verschaffen.
Gertraud Heilmann |