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Immer wieder sehr empfehlenswert!
Stefan Mickisch spielt und erklärt Richard Wagner

Deutsche Richard-Wagner-Gesellschaft e.V.
- Dezember 2007

 

Selbst auf die Gefahr hin, als "Hofberichterstatter" in Sachen Stefan Mickisch angesehen zu werden, habe ich doch die Aufgabe, die beiden neuesten Produktionen aus dem Hause Fafnerphon in den Mitteilungen vorzustellen, sehr gern übernommen. Schon einige Maie ist an dieser Stelle über verschiedene Einführungsvorträge des Künstlers berichtet worden (zuletzt Nr. 53, S.13), so daß Grundlegendes über seine besonderen Qualitäten kaum noch gesagt werden muß: Das außerordentlich einfühlsame und virtuose Klavierspiel, die hochinformativen und dabei im besten Sinne unterhaltsamen Kommentare zu den musikalischen und historischen Hintergründen sowie schließlich die phänomenale Fähigkeit Mickischs, durch scheinbar spielerisch herbeigeführte Wechsel der Sprachebene, der inhaltlichen Bezugspunkte oder auch der„ Lehr"-Methode das Publikum dauerhaft in den Bann zu ziehen. AIl dies zeichnet auch seine Einführungen zu den Feen und zu Lohengrin aus, die nun - in technisch ausgezeichneten Live-Mitschnitten aus Würzburg bzw. Wien - vorliegen.

Aufschlussreich für Stefan Mickischs echtes Interesse am Thema Richard Wagner ist die Tatsache, daß er die selten gespielten Feen genauso liebevoll und detailliert erarbeitet wie den Kassenschlager Lohengrin. Das Jugendwerk stellt sich dabei als qualitativ sehr viel besser heraus, als oft behauptet - zumeist von Lauten, die es gar nicht kennen. Wiederum eindringlich und überaus hörenswert der geschlossene Vortrag längerer Abschnitte, durchaus nicht nur der jeweiligen Opern: Vergleiche mit Carl Maria von Weber oder auch Frédéric Chopin erweisen sich - im Falle der Feen - als sehr hilfreich für das musikalische Verständnis. Überhaupt muß davon ausgegangen werden, dass die große Beliebtheit der Einführungen Stefan Mickischs zu einem guten Teil darauf zurückzuführen ist, daß hier einmal von dem Text und der Musik des Autoren die Rede ist und nicht von gesellschaftlicher Relevanz, augenfälligen Analogien zur Jetztzeit oder der insbesondere bei Wagner angeblich schwer erträglichen Redundanz von Text, Musik und Bühnengeschehen, der durch Erfindung von Parallelhandlungen seitens dar Regie dringend abzuhelfen ist.

Zunehmend breiten Raum in den Ausführungen Stefan Mickischs nehmen die Tonartencharaktere ein. Die Bezugnahmen ihrer Bedeutungen zu ganzen Sternzeichen oder auch einzelnen Planeten kann man mehr oder weniger nachvollziehen, gutheißen oder auch gedanklich ausblenden - hilfreich sind die Zusammenhänge der Tonart mit der jeweiligen Handlung, aber auch mit vergleichbaren Situationen oder auch charakterlich ähnlichen Werken anderer Komponisten allemal. Hier wird, was das Verständnis von Musik generell angeht, echte Pionierarbeit geleistet, und wenn Mickisch selbst angibt, im Erschließen dieses Verstehens eine seiner Hauptaufgaben zu sahen, so kann man ihm dafür nur dankbar sein. Eine Ursache für die nachgerade unfaßliche Kritiklosigkeit großer Teile des Publikums den Bühnen-Verballhornungen des gängigen Opern-Betriebs gegenüber ist gewiß auch dann zu sehen, daß die Intentionen der Richter und Komponisten schlicht gar nicht mehr bekannt sind (und von Seiten der Theater wird - verständlicherweise - natürlich auch nichts gegen diese Unwissenheit getan). So kann die "Sammlung der Reiterscharen" im dritten Akt das Lohengrin nur von demjenigen als „Lärm" mißverstanden (und deswegen gestrichen) werden, der keine Ahnung von Musik hat. Ein Publikum, das die Farbigkeit dar Musik durch den Einsatz verschiedener Tonarten, die die Buntheit der Scharen unterschiedlichster Herkunft schildern, versteht und weiß, daß die durchge-
hende Sechzehntelbewegung das rasche Trappeln vieler Pferde bedeutet, wird sich eine solche Reduktion nicht gefallen lassen. Wie effektvoll und großartig gerade diese musikalische Passage aus Wagners romantischer Oper ist, führt Mickisch denn auch gleich in einer brillanten Klavierparaphrase vor, in der seine herausragenden pianistischen Fähigkeiten schön zur Geltung kommen.

Besonders praktisch ist, daß durch die Einteilung in einzelne Tracks das bequeme Aufsuchen ganz bestimmter Stallen leicht möglich ist. Die Lebendigkeit des Live-Vortrags, auch atmosphärisch durch die Publikumsreaktionen unterstützt, ist sehr angenehm und verleiht dem Ganzen eine unakademische Dynamik. Die Einführungen Stefan Mickischs haben mittlerweile einen von möglichen Bühnenrealisierungen der jeweiligen Werke völlig unabhängigen Eigenwert und können, ja müssen nach wie vor jedem Wagner-Freund dringend empfohlen werden.

Reinhard Schäfertöns

Stefan Mickisch spielt und erklärt Richard Wagners „Die Feen"
Einführungsvortrag vom 29. 1. 2005 im Mainfrankentheater Würzburg (Live-Mitschnitt)
Fafnerphon 2006 (Best.-Nr.: FAF 261)

Stefan Mickisch spielt und erklärt Richard Wagners „Lohengrin"
Konzertanter Einführungsvortrag, Theater an der Wien (Live-Mitschnitt 5. 3. 2006)
Fafnerphon 2006 (Best.-Nr.: FAF 267)
 

 
 

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