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Gabriele Luster

Spontan wie ein Kabarettist
Stefan Mickisch über seine Wagner-Vorträge

Münchner Merkur - 24. Februar 2006

Bevor sich am Sonntag in der Bayerischen Staatsoper der Vorhang über Richard Wagners „Der fliegende Holländer" - dirigiert von Adam Fischer, inszeniert von Peter Konwitschny - hebt, lädt der Münchner IBS zum Gesprächskonzert mit Stefan Mickisch. Morgen, 16 Uhr, im Carl-Orff-Saal, entführt der Bayreuth-gestählte Pianist in die "Holländer"-Welt.

Richard Wagner hat fürs Klavier fast nichts kompo­niert. Trotzdem haben Sie mit ihm Karriere gemacht: Wie konnte das passieren?

Stefan Mickisch:
1993 bei einem achtwöchigen Stipendienaufenthalt in - Virginia/ USA fragten mich Künstler nach meinem Lieblingskomponisten und wollten nach meiner Antwort „Wagner" mehr über ihn wissen. Ich begann, die „Götterdämmerung" zu bearbeiten, erläuterte sie und spielte das Werk an drei Abenden vor. Das schlug ein wie ein Komet. Ab dann war klar, dass meine bisher nur innerlich gelebte Hauptleidenschaft Wagner sich auch äußerlich am Flügel umsetzen ließ.

Wann entdeckten Sie seine Opern für sich? Was reizte Sie als Pianist daran?

Stefan Mickisch:
Die Bayreuth-Übertragungen des Bayerischen Rundfunks hörten wir zu Hause am Küchenradio, dazwischen übte ich Debussy, Ravel, Skrjabin, improvisierte stundenlang auf der Schwandorfer Kirchenorgel und viel am heimischen Flügel. Wagners Klänge, Schumann und die französischen Impressionisten inspirierten meinen Ausdrucks- und Klangstil.

Seit 1998 gehören Sie mit ihren Opern-Einführungen zu den Stars der Bay­reuther Festspiele. Wie stutzen Sie eine Oper oder den kompletten „Ring“ auf ein zuhörerfreundliches Format? Was wollen Sie dem Publikum mitgeben?

Stefan Mickisch:
Kürzlich lernte ich in einer ZDF-Sendung „In acht Minuten das Wesentliche über Mozart" zu sagen mit vier Klangbeispielen zu je 40 Sekunden. Dieses Extrem gelang. Für eine ganze Oper habe ich gerne 90 Minuten Vortragszeit, in Zürich, Wien und München hört mir das Publikum auch schon mal 120 Minuten lang mit Pause zu. Mindestens die Hälfte davon wird Musik gemacht!

Geht auch für den Mann am Klavier die Auseinan­dersetzung mit Wagners Werk immer weiter in die Tiefe oder haben Sie Ihre Vorträge seit Jahren un­verändert im Repertoire?

Stefan Mickisch:
Meine Vorträge verändern und erneuern sich ständig im Lichte der neuen Erfahrungen mit anderen Werken: Allein die Tonarten-­Vergleiche sind ein eigenes, nahezu unerschöpfliches Thema, das die Zuhörer ge­nauso interessiert wie mich. Ich lese nichts ab von Manuskripten, bin gern spontan, möchte, wie auch Kabarettis­ten, einen direkten Draht zum Publikum herstellen.

Obwohl man Ihren Namen mit Wagner verbindet, kommen mittlerweile auch Strauss- oder Mozart-Freunde in den Genuss Ih­rer Vorträge. Wohin geht Ihre Opernreise?

Stefan Mickisch:
Bislang habe ich zwölf Wagner-Opern, auch auf CD, eingeführt sowie die "Elektra" und „Ariadne" von Strauss. Mozarts „Zauberflöte" sowie Beethovens „Fidelio" und die Neunte kommen bald heraus, ebenso der Live-Mitschnitt meines Themas „Tonarten und Sternzeichen". Ein berühmtes Orchester überlegt, mich zu Gesprächskonzerten über Bruckner und Brahms einzuladen. Die „Auftragslage" ist glücklicher-weise so, dass ich gut dosieren muss.

Wenn Sie als charmanter Opern-Plauderer am Pia­no Ihr Publikum begeis­tern, kommt da nicht der Konzertpianist, der Sie ja eigentlich sind, zu kurz?

Stefan Mickisch:
Man könnte hier ei­nen doppelten Gewinn sehen: Die Musik wird rhetorisch verständlich gemacht. Und die Erklärungen werden live musikalisch „illuminiert". Daneben komponiere ich großformatige Fantasien und gestalte damit Klavieraben­de, zum Beispiel meine „Tristanfantasie". Die nächs­te Klavierfantasie, die sich auch mit der Kombination von Wagner'scher Musik und interpolierten Eigenkompositionen bzw. Improvisati­onsflächen befassen wird, zielt in Richtung „Parsifal".

 

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