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Simon Neubauer
Fährmann in Wagners Welt
Gesprächskonzert mit Stefan Mickisch zu "Tristan und Isolde"
Parlando, Bremer Konzerthaus "Die Glocke" - Februar 2006
Wer sich ihm anvertraut, darf sich sicher wähnen. Denn Stefan Mickisch ist ein überaus kundiger Fährmann in der komplexen, tiefsinnigen, weit verzweigten Wagner-Welt. Keine Szene, kein Leitmotiv, ja nicht einmal ein einziger Ton sind ihm unbekannt, erst recht kennt er natürlich Sinn, Bedeutung, Bau samt der Querverbindungen jedes einzelnen Werkes. Kein Wunder, dass er Wagners große Musikdramen der Weltliteratur lobend und wissend zu durchstreifen vermag - wie er in Bremen bereits mit dem „Ring des Nibelungen", „Lohengrin" sowie zuletzt „Tannhäuser" bewiesen hat.
Nun, Wissen und Können sind gewiss unabdingbare Voraussetzungen einer künstlerischen Exegese. Aber Multi-Talent Mickisch nutzt auch andere Fähigkeiten: Er erläutert coram publico seine Erkenntnisse. Vielfach erprobt und enthusiastisch getobt, reist er zu renommierten Bühnen und Festivals, wenn dort eine Wagner-Premiere entsteht. Doch sein „Stammplatz" sind nach wie vor die Bayreuther Festspiele, wo Mickisch geradezu Kultcharakter errungen hat. Denn die Mär, dass vor allem Schickimicki die Aufführungen auf dem Grünen Hügel dominieren, ist nicht haltbar: Wer endlich eine der begehrten Karten in Händen hält, will sich dann auch entsprechend vorbereiten.
Und für diese Vorbereitung, selbstredend auch andernorts etwa in Baden-Baden, Wien oder Zürich, ist Stefan Mickisch der absolut richtige Mann. Er hat Wichtiges aus Wagners Weltenpanorama zu sagen, aber er sagt es eben nicht wort-gewaltig, Vielmehr kann er es sich erlauben, verständlich zu formulieren, ohne platt zu werden, wobei sein Charme, Humor und Charisma das auf merksame Hören erleichtern. Außerdem: Stefan Mickisch gestaltet seine berühmten Einführungen als Gesprächskonzerte. Er, im „jugendlichen Leben" ein vielfach ausgezeichneter Pianist, greift in die Tasten, um dem Wort den Klang beizufügen, weshalb seine Wagner-Exkursionen so stimmig, so leicht nachvollziehbar sind und über den Opernbesuch hinaus nachwirkend angenommen werden.
Apropos Pianist: Stefan Mickisch war Preisträger renommierter Wettbewerbe, gab Liederabende mit solchen Koryphäen wie Kurt Moll, Dietrich Fischer-Dieskau, Robert Holl, gastierte in allen Erdteilen, bespielte und besprach mehrere CDs. Seine Kunst ist auch an den Paraphrasen zu erkennen, die er über Wagner-Werke wie den „Tristan" komponiert hat. Inzwischen hat er seine Gesprächskonzerte über den Bayreuther Meister hinaus auch auf Richard Strauss und Beethoven („Fidelio" und die Sinfonien) ausgedehnt. Nun also in Bremen „Tristan und Isolde", das vom Inhaltlichen und Musikalischen so vieldeutige Werk mit einer Flut der leidenschaftlichen Gefühle, der „Seelenbewegungen" (Wagner), der zwiespältigen Lebensvorgänge, die sich um das große Zwiege-spräch der Liebenden im zweiten Akt ranken.
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