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Einführungsvorträge Bayreuth Bayreuth Lectures
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Klosterkonzerte im Florian-Stadl, AndechsKonzert mit Kammersänger Wolfgang SCHMIDT - Wagners Heldenfiguren v. Tannhäuser bis ParsifalSabine Näher - Starnberger SZ, 14.05.2003
"Not tut ein Held" - Wagner statt Orff in AndechsStefan Mickisch und Wolfgang Schmidt verleihen Wagners Heldenfiguren ein farbiges LebenAndechs. Was Bayreuth für Wagner möge Andechs für Orff sein - dieses Credo gilt seit Jahren auf dem Heiligen Berg. Mit der Übernahme des Kulturmanagements durch Andrea Scheithe-Erhardt, die vorher auf dem Grünen Hügel wirkte, ergaben sich neue Verbindungen zwischen den beiden Kultstätten, deren jüngstes Ergebnis eine Wagner gewidmete Konzertreihe auf Andechs ist. Unter dem beziehungsreichen Titel "Not tut ein Held" boten Stefan Mickisch und Kammersänger Wolfgang Schmidt am Sonntagnachmittag im Florian-Stadl ein farbiges Bild des Heldentums in Wagners Opern. Mickisch, berühmt für seine Bayreuther Einführungsvorträge, gab zum Glück auch bei diesem Anlass eine Kostprobe seines Könnens und bewies, dass geistreich und unterhaltsam zu sein sich nicht gegenseitig ausschließen muss. "Man glaubt heute, mit dem Thema Heldenfiguren wenig anfangen zu können - gerade deshalb hat es mich gereizt", begann er seine Erläuterung dessen, was den Helden auszeichnet: edle Abkunft - aus einer halbgöttlichen Verbindung oder zumindest von Adel, Tapferkeit, selbstloses Handeln und "ein gewisser Mangel an Passivität: Held wird man nicht durch Nichtstun...". Im Hinblick darauf, dass wir es bei Wagner ja mit singenden Helden zu tun haben, war die Frage, inwieweit Intelligenz für das Heldentum Voraussetzung sei - oder eher eine Beeinträchtigung darstelle, durchaus ketzerisch. Doch Wolfgang Schmidt ließ sich dadurch nicht anfechten und gab seinen ersten Helden zum Besten: Lohengrin mit seiner "Gralserzählung". Stimmlich-technische Mängel, die der große Orchesterapparat gnädig verdecken würde, wären hier offen zutage getreten: Es gab indes keine. Eine gute Stimmführung, eine saubere Intonation, ein wunderbar zurückgenommenes Piano, ein tragfähiges Forte ließen das Publikum jubeln. Und so heftig wurde nicht nur der erste Held, sondern auch alle folgenden - Parsifal, Tannhäuser, Walther von Stolzing, Siegmund und Siegfried - beklatscht. Mickisch zauberte derweil am Flügel, schuf dichte Stimmungen, ließ alle Farben erstrahlen, für die es ansonsten bei Wagner über 100 Musiker braucht. Das Nachspiel nach Parsifals "Heilandsklage" ließ den Zuhörer den Atem anhalten; die hell-licht-heilige Atmosphäre, die den Pilger Tannhäuser in Rom umfängt, malte er ebenso anschaulich wie die flirrende, erotisch aufgeladene Erinnerung an den Venusberg; die Einleitung zu Stolzings "Preislied" entfaltete eine solch innige Zärtlichkeit, dass es dem Sänger kaum möglich war, bei dieser Ausdrucksstärke mitzuhalten - meist verhält sich das umgekehrt. Doch wie Schmidt nach vorausgegangenen zarten Tönen zur Schlußemphase nochmals voll aufdrehen kann, läßt das Publikum toben. Die "echten Helden" Siegmund und Siegfried brachten im zweiten Teil dann den wahren "Heldenton": sehr hoch, sehr lang ausgehalten, sehr laut - kein Problem für Wolfgang Schmidt. Mit dem "Trauermarsch" nach Siegfrieds Tod beweist Mickisch noch einmal, dass er ein Ausnahmepianist ist. Atemlose Stille, ehe der Jubel losbricht. SABINE NÄHER
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