Literatur
Bücher, die bleiben.
Stefan Mickischs persönliche Bücherlisten: Philosophie, Religion und Naturwissenschaft – und eine eigene Sammlung zur Welt Richard Wagners.
Philosophie & Lese-Empfehlungen
Von den Vorsokratikern bis zur Gegenwart. Mit Mickischs persönlichen Anmerkungen.
02 · MUSIK & MYTHOSWagnerliteratur
Schriften, Briefwechsel, Mythologie und musikalische Wegweiser zum „Ring“.
01 · Denken & Weltverstehen
Philosophie & Lese-Empfehlungen

Bücherliste:
Wilhelm Weischedel „Die philosophische Hintertreppe“
Klassiker, guter Überblick über alle wichtigen Philosophen - Nach wie vor der ideale „Einsteiger“
Die Vorsokratiker
Thales von Milet – Anaximander – Anaximenes – Pythagoras – Xenophanes – Anaxagoras - Melissos - Empedokles - Leukipp und Demokrit - Die Sophisten - Protagoras – Gorgias – Kritias
Ausgewählt und eingeleitet von Wilhelm Nestle
Heraklit Die Fragmente
Epikur
alles, was Sie bekommen können, egal welches Buch - ein echter Humanist

Platon „Apologie“
der Prozeß und die Verurteilung des Sokrates 399 v.Chr. in Athen, authentisch und spannend erzählt von dem jungen Platon, ein „Muß“

„Das Gastmahl“ (Symposion) - Über den Eros (super)

„Phaidon“ - über die Unsterblichkeit der Seele (interessante Argumente)

Seneca „De brevitate vitae“ („Über die Kürze des Lebens“)
Sehr witziges und pointiertes Büchlein über das, was im Leben wichtig wäre

„De vita beata“ („Vom glücklichen Leben“)
Über Autarkie der Persönlichkeit und Unabhängigkeit vom Urteil Anderer

„Apocolocyntosis“ (Die Verkürbissung des Kaisers Claudius)
Sehr lustig und ein wenig bissig. Hier ist Seneca der kabarettistische politische Satiriker, der sich weit vorwagt in der Kritik der Mächtigen - Seneca, der Lehrer Neros, wurde schließlich von diesem zum Suizid gezwungen

Thomas von Aquin „Summa Theologiae“ (60 Bände)
Habe mittlerweile 7 davon erarbeitet und weitere ca. 20 überflogen, plus eine Biograhie (rororo) gelesen
Es liegt vor eine Erklärung der Bibel (AT und NT), deren Erzählungen in ein umfassendes System mit Hilfe aristotelischer Denkformen und Kategorien verschmolzen werden (Scholastik).
Auch der berühmte Satz „nulla salus extra ecclesiam“ („Kein Heil ist außerhalb der Kirche möglich“) stammt von Thomas.
Das antiquierte und für heutige ethische Maßstäbe völlig deplazierte Denken dieses von der Katholischen Kirche als „Hauptheiligen“ bis zum heutigen Tag ungebrochen höchst verehrten Kirchenlehrers zeigt sich zum Beispiel in Sätzen wie: „Den Heiligen im Himmel ist es gestattet, die Gnade Gottes noch mehr zu genießen, indem sie in die Hölle blicken und den Qualen der Verworfenen zusehen dürfen“.
Die Katholische Kirche hat die Lehre von der Ewigkeit der Höllenstrafen keineswegs zurückgenommen, obwohl sie darüber nicht mehr gerne spricht. Die „Höllen“ - Lehre stammt aus den mesopotamischen Religionen, dem Zoroastrismus und dem Mithras-Kult, wurde von Johannes dem Täufer und Jesus Christus übernommen (mehrere Stellen des NT beweisen dies), wanderte dann weiter zu Augustinus, und wurde zementiert von Thomas. Sehr wichtig ist Thomas von Aquin die Feststellung, daß die Höllenqualen für „Sünder“ sowohl seelisch als auch körperlich sein werden, und vor allem ewig:
…es ist ein Irrtum derjenigen, die behaupten, daß die Strafen der Gottlosen irgendwann beendet sein werden.“
– Thomas v. Aquin: Summa contra gentiles
Allerdings führt Thomas eine neue Begründung für die angenommene Endlosigkeit und Grauenhaftigkeit solch einer Strafe ein, die aufgrund einer einzigen falschen Entscheidung über den Menschen kommen soll:
„Die Größe der Strafe entspricht der Größe der Sünde […] Nun aber wiegt eine Sünde gegen Gott unendlich schwer, denn je höher eine Person steht, gegen die man Sünde begeht, desto schwerer ist die Sünde.“
-
Thomas v. Aquin: Summa contra gentiles
Die Päpste Johannes Paul II. wie auch Benedikt XVI. waren ausgesprochene Anhänger von Thomas, der den theoretischen Unterbau für die kirchliche Inquisition lieferte, die jahrhundertelang weltweit (im Machtbereich der Kirchen) wütete und Millionen unschuldiger Opfer forderte. Thomas von Aquin forderte - gemäß dem christlichen Gebot der Nächsten- und der Feindesliebe - die Hinrichtung für „Häretiker“.
Thomas ist per päpstlichem Dogma seit 1879 bis heute unverändert der Patron aller katholischen Schulen und Internate.

Friedrich Erasmus von Rotterdam
„Lob der Torheit“ („laus stultitiae“)
Klassiker, witzig, intellligent, human

David Hume
rororo – Biographie
„Untersuchung über den menschlichen Verstand“
„Über den Freitod“
„Über die Vernunft der Tiere“
„Über Würde und Gemeinheit der menschlichen Natur“
„Über Aberglaube und Enthusiasmus“
„Über moralische Vorurteile“
Ein echter Menschenfreund, ein gutmütiger, aber scharfsinniger Freigeist, den Kant überaus schätzte
War erstrangiger Historiker, schrieb ein grundlegendes mehrbändiges Werk über die Geschichte Britanniens, war dick, tolerant, und wohlwollend gegenüber allen Menschen – starb souverän und entspannt als Agnostiker
John Locke
Verschiedene Literatur über Toleranz und „Gesellschaftsvertrag“
Ein wichtiger „Vater“ der Demokratie

Jean Meslier „Das Testament“ (1729)
Die Grundschrift der modernen Religionskritik, aus der Feder eines französischen Dorfpriesters, genial, rasiermesserscharf, nach seinem Tod posthum in geheimen Abschriften „veröffentlicht“. Von Meslier schrieben alle berühmten Aufklärer ab (Voltaire, Rousseau, de la Mettrie, Hélvetius, d´ Holbach, Diderot) - mehr als lesenswert !
Meslier kümmerte sich als Priester intensiv um die Armen, die im ancien régime in Frankreich rücksichtslos von Adeligen, Staat und Kirche ausgenutzt und unterdrückt wurden. Nach mehreren „Zusammenstößen“ mit seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Reims, in sozialen Fragen, wurde ihm bei Androhung der Todesstrafe ein „Maulkorb“ verpaßt. (Es gab damals etwa 300 vollstreckte Todesurteile pro Jahr in Frankreich). Deswegen schrieb Meslier immer nachts an seiner umfassenden Religions- und Staats-Kritik, und konnte sie erst per Testament veröffentlichen.

Anonymus Traktat über die drei Betrüger (Moses, Jesus, Mohammed)
Originaltitel: Traité des trois imposteurs
Ein höchst erstaunliches Buch aus dem Geist des Spinoza, etwa 1690 geschrieben, ein klassischer französischer „Voraufklärer“ war hier am Werk, der, um sein Leben zu behalten, anonym veröffentlichte (wie Meslier)

Immanuel Kant
Rororo-Biographie von Uwe Schulz - sehr guter Einstieg
Damit können Sie die Zeitung am Frühstückstisch ersetzen

Zum ewigen Frieden
Kleine Spätschrift, in welcher Kant im Sinne eines allgemeinen Weltenethos und als „Wegbereiter“ der „UNO“ die einzelnen Punkte formuliert, die nötig wären, damit die Welt frei von Kriegen würde
(gut lesbar, das wär dann für den Nachmittagskaffee)

Kritik der reinen Vernunft
Sehr schwer, 900 Seiten, „Zertrümmerung der Metaphysik“ (Herder), Kant hat „im Himmel nachgesehen, es war aber kein Gott drin“, Widerlegung aller „Gottesbeweise“

Kritik der praktischen Vernunft
Etwas leichter, „Gott als Postulat der praktischen Vernunft“, soll heißen: „auch wenn es keinen Gott gibt, ist es gut, so zu tun als ob es ihn gäbe – so er das Gute verkörpert – um einen moralischen Kompaß zu haben"

Kritik der Urteilskraft
Mittelschwer, wichtig für die Einschätzung und Beschreibung der Künste und von Geschmacksfragen

Manfred Kühn „Kant“ - eine Biographie
Wohl die beste Biographie über den großen Philosophen, behandelt alle Werke und das Leben des Königsbergers, dessen Großvater aus Nürnberg (!) stammt, neuester wissenschaftlicher Stand, umfangreich (639 Seiten) und bei den Werkbeschreibungen, da der Autor tief in die Materie eindringt, kein leichter, jedoch lohnender „Spaziergang“.
An diesem Buch habe ich anderthalb Jahre fortlaufend studiert und gelernt.

Sehr empfehlenswert sind auch die rororo – Biographien zu
Sokrates, Aristoteles, Thomas von Aquin, Voltaire, Jean-Jacques Rousseau (der auch eine seinerzeit berühmte Oper schrieb und Komponist war), René Descartes, Martin Heidegger, Gottfried Wilhelm Leibniz (der Erfinder der Lotterie und der mathematischen Grenzwertberechnungen (Limes, Integral, Kurvendiskussion etc), sowie der „Monadenlehre“ mit Gott als „höchster Monade“)

Georg Friedrich Hegel
„Die Phänomenologie des Geistes“
Dieses Buch (1806 im Kanonendonner von Jena und Auerstädt geschrieben) bewegt sich an der Grenze meiner Kapazität, ich bin immer wieder drüber und muß viel mehrfach lesen

„Geschichte der griechischen Philosophie“
Äußerst schön zu lesen, nicht so schwer
Hegel ist wichtig aufgrund der Strömungen, die von ihm ausgingen, zu Karl Marx, zu Ludwig Feuerbach, nicht zuletzt zum Denker und Philosophen Richard Wagner, und - in der Kontraposition - zu Arthur Schopenhauer
Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher
Das sind noch relativ „blinde Flecken“ bei mir. Manchmal bin ich im Literaturarchiv in Marbach (Schiller-Gedenkstätte) und lese ein paar Stunden in der wunderbaren Bibliothek. Da ziehe ich dann so zwei, drei, vier der ca. 100 Bände alleine dieser drei großen Geister heraus und vertiefe mich darin. Für ein Urteil bräuchte man noch mehr Zeit.

Ludwig Feuerbach („Jung-Hegelianer“)
„Das Wesen des Christentums“
Die Religionen als Projektionen des Menschen, als Idealisierungen
Sehr wichtig für Richard Wagner – grundsätzlich wichtiges Buch.

Arthur Schopenhauer
„Aphorismen zur Lebensweisheit“
Ungeheuer lesenswert und leicht verständlich, geradezu flüssig und süffig, schnell zu apperzipieren, geistreich und witzig.
Man darf nicht sterben, ohne dieses Buch gelesen zu haben.
Verzeihen Sie Schopenhauers Anti – Feminismus, er hatte da schlechte Erfahrungen.

„Die Welt als Wille und Vorstellung“
Nicht so einfach, ausführlich, grundlegend, ganz entscheidend für Richard Wagner („Tristan“, „Ring“, „Parsifal“)

„Parerga und Paralipomena“ „Beiwerke und Nachträge“ (erschienen 1851)
Gut lesbar, immer voller Geisteskraft und überraschender, genialer Gedanken

F. Dostojewski - „Die Brüder Karamasow“ – daraus Einzelband „Der Großinquisitor“
Unglaublich lesenswert, da hier Christus zur Zeit der spanischen Inquisition wieder auf Erden erscheint und – siehe da – Probleme mit der Amtskirche bekommt
Friedrich Nietzsche
Hinweis zu Nietzsche: Fangen Sie nicht AN mit „Also sprach Zarathustra“ (zu verwirrend) oder „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ (zu langweilig)
Am besten zum Einstieg:

„Ecce homo“
Das letzte Buch, der beste Einblick in seine Biographie und sein gesamtes Denken (nicht abschrecken lassen durch „arrogant“ wirkende Übertitel)

„Der Antichrist“ - sollte von Gläubigen und Agnostikern gleichermaßen gelesen werden, ist (zusammen mit dem „Zarathustra“) eine polemische Reaktion auf Wagners „Parsifal“
Nietzsches „Antichrist“ ist die geistige Grundlage der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss

„Zur Genealogie der Moral“
Später mal lesen - es geht um die Relativität aller Moral - , ist komplex

Die Schriften zu Richard Wagner sind für Wagnerfreunde dagegen ein „Muß“:
-
„Richard Wagner in Bayreuth“ 1876
-
„Der Fall Wagner“ 1888 (sehr lesenswert wegen der Gegnerschaft zu Wagner)
-
„Nietzsche contra Wagner“ 1889
Nietzsche ist einer der größten Geister der Weltgeschichte. Besonders lustig finde ich Menschen, die ihn abqualifizieren, ohne eine Zeile von ihm gelesen zu haben. Ein Buch alleine reicht auch nicht. Um über Nietzsche etwas mitreden zu können, muß man das, was wir durch Wagner von ihm wissen, weit hinter sich lassen, und mehr bringen als Vorurteile und vage Ansichten Dritter. Man muß die Originale lesen.
Sehr empfehlenswert, wenn man wenig Zeit hat: Rüdiger Safranski: Zwei Hör-CDs zu Friedrich Nietzsche (2000)

Manfred Eger „Nietzsches Bayreuther Passion“
In diesem umfangreichen Buch des früheren exzellenten Leiters von „Haus Wahnfried“, Bayreuth, findet sich die gesamte Geschichte der beiden Freund-Feinde Wagner-Nietzsche - vielleicht ein wenig mehr zu Wagners Gunsten aufgearbeitet und lebendig dargestellt

Werner Stegmaier Friedrich Nietzsche – zur Einführung
Komplette Erfassung des gesamten Denkens und der gesamten Philosophie Nietzsches auf überschaubarem Raum(210 Seiten), dennoch ist Grips nötig, denn Stegmaier vernetzt und zitiert viel
Empfehlenswert sind viele Hefte von GEO, P.M. Perspektive und „Spektrum der Wissenschaft“ zu Geschichte, Naturwissenschaften und Soziologie
Rudolf Steiner
Anthroposophie – ca. 750 Bücher gibt es von Rudolf Steiner
Vor diesem „Weltengebäude“ und dieser Lebensleistung kann man nur staunend davorstehen – trotzdem muß man die wichtigsten Dinge daraus - meine ich - auch kennenlernen, etwa:

„Die Philosophie der Freiheit“
Steiner versucht damit Nietzsches Destruktion der Transzendenz zu überwinden, ohne den freien Geist zuverlieren

„Die Geheimwissenschaft im Umriß“
Wenn man davon „nichts versteht“, ein paar Jahre weglegen, dann wieder nehmen, und schon wird es besser

„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“
Dasselbe Prinzip wie bei der „Geheimwissenschaft“

„Das Wesen des Musikalischen“ und „Das Tonerlebnis im Menschen“
Für einen Musiker natürlich höchst aufschlußreich

Die Vier Mysteriendramen :
„Die Pforte der Einweihung“
„Die Prüfung der Seele“
„Der Hüter der Schwelle“
„Der Seelen Erwachen“
Mit dieser Dramen – Tetralogie hat Rudolf Steiner zumindest an Umfang Richard Wagners „Ring“ noch übertroffen.
Die geistigen Aussagen sind ebenfalls gewaltig, in einer einzigartigen, mythischen Kult-Sprache gedichtet, niemals zu Beginn der Auseinandersetzung damit für einen „Einsteiger“ verständlich (gilt ja für Wagners „Ring“ auch), deshalb umso wertvoller und interessanter.
Man sieht sich diese jeweils ca. 7-8 Stunden dauernden Dramen in einer Woche (so sie aufgeführt werden) im Goetheanum in Dornach (Schweiz) an, ich selber hatte einmal das Glück dabei zu sein – ein Wahnsinnserlebnis.
Rudolf Steiner (vgl. die Waldorfschulen, soziale Dreigliederung, Goethe-Forschung, Christologie), seine Wirkungen in alle Gebiete des Geistes, der Kunst, des Lebens, der Landwirtschaft, des Handwerks hinein, verdient allerhöchsten Respekt.
Sieht man im Goetheanum den „Menschheitsrepräsentanten“, eine wunderbare, große Holzplastik Steiners, erkennt man auch das rein künstlerische Höchstformat dieses außerordentlichen Menschen.

Thomas Mann
Alles!! Vor allem:
„Doktor Faustus“
Dieser Roman ist für einen Künstler und alle, die einen Künstler verstehen wollen, unverzichtbar.

Karl Jaspers „Die vier maßgebenden Menschen“
(Sokrates, Buddha, Konfuzius, Jesus)
Karl Jaspers ist angenehm, objektiv, sauber in der Formulierung, brillant im Geist, freilassend im Urteil.

„Nietzsche und das Christentum“
Jaspers erklärt hier die Wahrhaftigkeit Nietzsches, die – aus dem Christentum stammend – sich in Nietzsche gegen das Christentum kehren muß.
„Geschichte der Philosophie“
angenehm zu lesen

Hans Jonas „Der Gottesbegriff nach Ausschwitz“
Für den jüdischen Philosophen können Gott Jahwe nach dem Holocaust nicht mehr alle drei Attribute (allmächtig, alllgütig, allwissend) zugesprochen werden, ebenfalls ein „Klassiker“ der Philosophie

Susanne Schaupp „Sophia“ Aspects of the Divine Feminine (Über weibliche Gottheiten) - Warum Judentum, Christentum und Islam nur männliche Gottheiten kennen, und die Kritik daran

Adrian Desmond „Charles Darwin“ – eine Biographie
Man wundert sich, wie skrupulös, vorsichtig, integer, wissenschaftlich akurat, und zudem menschlich Darwin war (8 Kinder von einer Frau, Sponsor der örtlichen Kirche und andere Überraschungen).

Uwe Danker „Die Geschichte der Räuber und Gauner“
Standardwerk über die Randgruppen der Gesellschaft seit dem Mittelalter und deren oft skandalös grausamer Behandlung durch Kirche und Gesellschaft - man staunt.

Hans Küng „Jesus“
Ein meines Erachtens integeres, aufrichtiges Buch (was Buggle anzweifelt s.u.), das historische und inhaltliche Einwendungen gegen die Jesus-Figur mit einbezieht, ohne jede Arroganz, ein ehrlicher „Rettungsversuch“.

„Existiert Gott?“ für dieses - wesentlich umfangreichere - Buch würde ich dasselbe in Anschlag bringen wie für Küngs „Jesus“-Buch. Man fragt sich aber doch, wie jemand, der alles dermaßen relativiert und so viel Verständnis für Religionskritik hat, doch noch an „Gott“ festhalten kann - hierzu vgl. Buggle s.u.

„Musik und Religion“ (Mozart, Wagner, Bruckner)
füge ich nur an, ohne es für wesentlich zu halten -
Ich habe aber grundsätzlich große Hochachtung vor Hans Küng

Thomas de Padova „Das Weltgeheimnis“
Tolles Buch – über die revolutionären Entdeckungen der beiden Naturwissenschaftler und Zeitgenossen Galileo Galilei und Johannes Kepler, und deren Briefwechsel

Gerald Kahan Einsteins Relativitätstheorie – möglichst leicht dargestellt
Und trotzdem noch ziemlich schwierig

Christopher Hitchins „Der Herr ist kein Hirte“ - wie Religion die Welt vergiftet
Deutlich, ehrlich, wirkungsvoll, erschien wie Dawkins´ „Gotteswahn“ 2006

Thomas D. Williams „Gott ist größer als ihr glaubt“
Dieses Buch des amerikanischen Priesters und Professors für Theologie an der päpstlichen Universität Regina Apostolorum in Rom mit dem gut klingenden Titel ist eine direkte Antwort auf Dawkins´ „Gotteswahn“ und Hitchins´ „Der Herr ist kein Hirte“ und soll den Gläubigen Argumente gegen den Atheismus liefern. Dieser Versuch ist nach meiner Ansicht – bitte überzeugen Sie sich durch Lektüre selbst – gescheitert.

Uwe Lehnert „Warum ich kein Christ sein will“
Zunächst schreckte mich der Titel ab, beim Lesen entdeckte ich die tiefe Humanität, Menschenfreundlichkeit und Genauigkeit des Denkens dieses Autors. Es wird alles bedacht und beschrieben, was im Rahmen von „Glauben“ und Skepsis eine Rolle spielt.

Uwe Karsten Plisch „Was nicht in der Bibel steht“
Apokryphe Schriften des frühen Christentums (Petrus-Evangelium, Thomas-Evangelium, Judas-Evangelium u.a.)
sollte man neben dem AT und NT auch kennen

Reinhard G. Kratz „Die Propheten Israels“
Dieses vollkommen unpolemische, rein wissenschaftliche Buch sollte man deswegen lesen, um zu sehen, daß die Propheten des AT Elija, Jesaia, „Deuterojesaia“, „Tritojesaia“, Hesekiel, Jeremia, Hosea, Ezechiel, Amos u.a. - mit Verlaub - nur Unfug erzählt haben. Es geht immer um Krieg und absurde Vorschriften und Prophezeiungen ex post, zurecht gebogen von Autorengruppen.
Sehr empfehlenswert für Gläubige, die notorisch die Bibel nicht kennen.

Raymond A. Moody „Leben nach dem Tod“
Interessant und nachdenkenswert (Sammlung von Berichten zur „Nahtoderfahrung“)

Hermann Kurzke und Jacques Wirion „Unglaubensgespräche“
Hier wurden theologische und atheistische Argumente freundschaftlich über einen längeren Zeitraum per email ausgetauscht – gut.

Peter Sloterdijk „Kritik der zynischen Vernunft“ – 2 Bände (953 Seiten) - Klassiker, sehr umfangreich, viel zu lernen, schonungslos

Jakob Bösch „Du sollst keine anderen Götter neben dir haben“
2010 erschienen, sinnvolles und heilsames Buch, ebenso provokant wie richtig und human, z. B. das Kapitel über den „Freitod“

Pater Karl Wallner „Wer glaubt wird selig“
Wallner bedient sich einer „zeitgemäßen“, flotten, oft jugendlich-flapsigen, unwissenschaftlichen (muß nicht schlecht sein), gefühlsreichen Sprache. Er schreibt unsystematisch und sprunghaft, mit großer Begeisterung und vielen Redundanzen, erläutert gut lateinische und griechische Begriffe. Bei den Inhalten wird’s problematischer. Sie entsprechen der heute (Buch erschienen 2009) gültigen, offiziellen katholischen Kirchenlehre. Was mich bei dieser Art „Gottes“ – Literatur immer wieder erstaunt, ist, wie genau diese Menschen wissen, was Gott „will“, wie ER „ist“, und was wir „tun sollen“, damit er „zufrieden“ ist. das ist mir alles zu seicht.
Neue Aspekte oder Hinweise, wie die Kirche aus der tiefsten Krise ihrer Geschichte herauskommen könnte, werden nicht geboten. Wenn es ans „Eingemachte“ geht, etwa die bis heute ausgebliebene „Naherwartung“, mit der sich offensichtlich Christus selber getäuscht hat, herrscht Argumentationsnot.

Wolfgang Behringer „Hexen“ (Glaube – Verfolgung – Vermarktung)
Incl. der statistischen Opferzahlen. Wichtig als Argumentationsbasis gegen „Kleinredner“ der Hexenverfolgungen.

Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI „Jesus“
Behauptungen, "Märchenerzählungen" (aber schlechter als Schumann), fragwürdiger Umgang mit den Quellen – vergleichen Sie dazu die Veröffentlichungen des Göttinger Professors Gerd Lüdemann (siehe unten).
Den angeblich so gescheiten, gelehrten Joseph Ratzinger - mittlerweile als Papst gescheitert - finde ich literarisch, intellektuell und ethisch schwach. Ich mußte mich zum Durchlesen des dicken Buches immer wieder zwingen und unendlich viele Gegenbemerkungen an die Ränder schreiben (ich studiere immer mehrere Bücher gleichzeitig, mit Stift, Anmerkungen, Kommentaren, Querverweisen, und Datumsangaben). Am Ende dieses Buches im Juli 2013 - im Verein mit vielen anderen Studien - wußte ich: das Neue Testament ist ein Märchenbuch wie Brüder Grimm, nur langweiliger und ganz humorlos.

Gerd Lüdemann „Der erfundene Jesus“ (Unechte Jesusworte im Neuen Testament)
„Der große Betrug“ (Und was Jesus wirklich sagte und tat)
„Der zweite Thessalonikerbrief“ (Die gröbste Fälschung des Neuen Testaments)
Die Bücher Prof. Lüdemanns sind für mich überzeugend, da er sachlich korrekt schreibt, die historisch-kritische Methode anwendet (Bultmann, Harnack), und endlich einmal mit den gewohnten Legenden, Wundergeschichten und Irrtümern, mit denen Generationen von braven Kirchgängern beglückt worden sind und werden, aufräumt.

Franz Buggle „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“
Die „klassische“ Religionskritik unserer Tage – der ultimative Lesetip. Allein schon die Überschriften kann man alle unterschreiben. Besonders interessant sind die kritischen Anmerkungen und Analysen des Autors zu Hans Küng, Carl Friedrich von Weizsäcker und Hoimar von Ditfurth, die aufgrund frühkindlicher ekklesiologer Indoktrinationen wie viele andere hochqualifizierte Intellektuelle auch den Sprung in die Freiheit des Geistes nicht schaff(t)en.

Ed Parish Sanders „Paulus“
Jedem Gläubigen noch mehr zu empfehlen als den Skeptikern oder Agnostikern.
Durch dieses Buch ist klare Erkenntnis der Person, der Briefe und der Christologie des Paulus möglich.

Heinz-Werner Kubitza „Der Jesuswahn“
Ganz neu herausgekommenes Buch – sehr glaubwürdig, vieles mir „aus dem Herzen“ gesprochen – der Autor war (ist) protestantischer Priester und Neutestamentler. Überdies humorvoll.

Philipp Blom „Böse Philosophen“ - das vergessene Erbe der Aufklärung
Ein absoluter „Augenöffner“. Es geht um die französischen Früh- Aufklärer (siehe unter Meslier), die sich im Pariser Salon Baron Thiery d´ Holbachs regelmäßig trafen und Ideen entwickelten, die die Welt positiv verändern halfen.
Ich empfehle außerdem (für lange Autofahrten ideal) Hörbücher über Physik, Geschichte, Philosophie, oder Romane, etwa von Thomas Mann.
Wenns zu viel wird: Glenn Miller Orchestra auflegen oder Oscar Peterson!
02 · Musik & Mythos
Wagnerliteratur
Wagnerliteratur - empfohlen und für Sie sortiert von Stefan Mickisch:
Wagnerliteratur · 01
Bücher und Schriften von Richard Wagner
es schadet nicht, wenn man sie kennt

„Die deutsche Oper“ - „Der Virtuos und der Künstler“ - „Über die Ouvertüre“ - „Halévy und die Französische Oper“ - „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“ - „Zu Beethovens Neunter Symphonie“ – „Der Nibelungen-Mythos als Entwurf zu einem Drama“ – „Die Wibelungen“ : Weltgeschichte aus der Sage“ – „Die Revolution“ – „Der Mensch und die bestehende Gesellschaft“ – „Die Kunst und die Revolution“ – „Wie verhalten sich republikanische Vorstellungen dem Königtum gegenüber?“ – „Deutschland und seine Fürsten“ - „Das Kunstwerk der Zukunft“ – „Das Künstlertum der Zukunft“ - „Kunst und Klima“ – „Das Judentum in der Musik“ – „Oper und Drama“ – „Eine Mitteilung an meine Freunde“ – „Über Staat und Religion“ – „Das braune Buch“ - „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ – „Über das Dirigieren“ – „Beethoven“ – „Was ist deutsch?“ – „Wollen wir hoffen?“ – „Religion und Kunst“ – „Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth“ – „Über die Benennung „Musikdrama““ – „Heldentum und Christentum“ – „Über das Männliche und Weibliche in der Kunst“ – „Über das Weibliche im Menschlichen“
Wagnerliteratur · 02
Briefwechsel Wagners
mit Franz Liszt, König Ludwig II., Mathilde Wesendonck, Hans von Wolzogen und vielen anderen Zeitgenossen, vielerlei Ausgaben

besonders empfehlenswert: „Cosima Wagner und König Ludwig II.. – Briefe“ - Zum ersten Mal vollständig herausgegeben von Martha Schad, 2004
Wagnerliteratur · 03
Bücher zu Richard Wagner im Allgemeinen
Eliza Wille „Erinnerungen an Richard Wagner“, 1886
Cosima Wagner „Die Tagebücher“ (4 Bände)

Friedrich Nietzsche “Richard Wagner in Bayreuth“, 1876 - „Der Fall Wagner“, 1888 (sehr lesenswert wegen der Gegnerschaft zu Wagner) - „Nietzsche contra Wagner“, 1889
Nietzsche ist einer der größten Geister der Weltgeschichte. Auch wenn viele seiner Argumente sehr persönlich gefärbt, teilweise boshaft und falsch sind, sind sie lesenswert, wichtig und nachdenkenswert. Es gibt keine Aussagen von Nietzsche, die uninteressant wären.

George Bernard Shaw „The perfect Wagnerite“, 1896
Klassiker. Hat als erster das kommunistische, links-politische Kaliber Wagners entdeckt. Überdies sehr witzig.
Rudolf Steiner „Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen“, 1904-1907
Max Heindel „Die Mysterien der großen Opern“, 1910
Paul Stefan „Feindschaft gegen Wagner“, 1914

Thomas Mann „Über die Kunst Richard Wagners“, 1911 - „Wie stehen wir heute zu Richard Wagner“, 1927 - „Ibsen und Wagner“, 1928 – „Leiden und Größe Richard Wagners“ , 1933 - „Richard Wagner und der „Ring des Nibelungen“", 1937 - „Zu Wagners Verteidigung“, 1940 - „Wagner und kein Ende“, 1949
alles höchst geistvoll. Interessant der Schwenk vom sehr kritischen Wagner – Skeptiker 1911 und 1927/28 bis zum leidenschaftlichen Verehrer in den späteren Aufsätzen, all dies natürlich auf der Grundlage häufigster Wagneropern-Besuche in Thomas Manns Jugendzeit und entsprechender Detailkenntnis der Werke.
Theodor W. Adorno „Versuch über Wagner“, 1952
kritisch und geistvoll, gleichwohl überschätzt. Adorno hatte - trotz all meiner persönlichen Wertschätzung seines philosophischen und musikalischen Einblicks und seiner Formulierungsgabe - kein Gefühl für Wagner, ja man muß vielleicht sogar sagen, kein Gefühl für Musik
Kurt Overhoff „The germanic-christian myth of Richard Wagner“, 1955
Julius Otto Hartmann „Die Esoterik im Werk Richard Wagners“, 1960
Curt von Westernhagen „Richard Wagners Dresdener Bibliothek“, 1966
was für ein hochgebildeter Mensch, der Richard Wagner!
Carl Dahlhaus „Richard Wagners Musikdramen“, 1971
Alice Sokoloff „Cosima Wagner“, Biographie, 1973
Ernst Uehli „Die Geburt der Individualität aus dem Mythos als künstlerisches Erlebnis Richard Wagners“, 1973
Dietrich Fischer-Dieskau „Wagner und Nietzsche - Der Mystagoge und sein Abtrünniger“, 1974
Festspielnachrichten, Beiträge 1957 – 1982 (Pachl, Rappl, Eger, Bergfeld, Conrad, Brunner, Valentin u.a. Autoren)
Peter Wapnewski „Der traurige Gott – Richard Wagner in seinen Helden“, 1978

Martin Gregor-Dellin / Rolf Stemmle Biographie „Richard Wagner“, 1980
Standardwerk
Wagner „Mein Denken“, hg. von Martin Gregor-Dellin, 1982
Sammlung von Texten aus verschiedenen Aufsätzen Richard Wagners

Bryan Magee „Aspects of Wagner“, 1968 / 1988
ungeheuer gutes Buch, knapp und lehrreich sowie genial-tiefsinnig, britisch gerade. Das wäre ein Einsteiger-Buch für jedefrau / jedermann, vor allem für die deutschen Feuilletons und Kritiker.
Richard Wagner Jahrbücher der Wagner Gesellschaft Graz
William O. Cord „An Introduction to Der Ring des Nibelungen“, 1983 / 1995
William O. Cord „201 Questions (And Answers) On Richard Wagners Der Ring Des Nibelungen“, 1991
Joachim Kaiser „Mein Leben mit Wagner“, 1990
Frederic Spotts „Bayreuth – A History Of The Wagner Festival“, 1994

Egon Voss „Wagner und kein Ende“, 1996
sehr guter Fachmann
Walter Schertz-Parey „Richard Wagners Dichtkunst“, 1998

William Berger „Wagner Without Fear“, 1998
Lustig!!
Peter Bassett „A Ring for the Millenium – A Guide to Wagner´s Der Ring Des Nibelungen“, 1998

Manfred Eger „Nietzsches Bayreuther Passion“, 2001
Sehr wichtiges Buch sowohl in Bezug zu Wagner als auch zu Nietzsche
Manfred Eger räumt auf akribische, umsichtige Weise, unschlagbar kenntnisreich und psychologisch tiefblickend mit vielen Klischees, die Nietzsches „Abfall“ von Wagner hymnisieren, auf.
Manfred Eger „Wenn ich Wagnern den Krieg machte .... Der Fall Nietzsche und das Menschliche, Allzumenschliche“, 1993 - subsumiert in „Nietzsches Bayreuther Passion“
Rolf Stemmle Wagneropernführer im pocket-Format, und sprachliche Beschreibungen aller Wagnerschen Musikdramen, ab 1990

Jürgen Lodemann „Siegfried und Krimhild“, 2002
Äußerst spannende Nachdichtung der großen Liebesbeziehung, wie sie dem Nibelungenlied (nicht der Wagnerschen Tetralogie) entspricht, sollte gelesen werden, ist abenteuerlich, geistvoll-modern und lehrreich.
Udo Bernbach „Der Wahn des Gesamtkunstwerks“, 2004
Sehr wichtiges und gutes Buch, hier ist endlich jemand, der Wagners Schriften genau kennt und alle einordnen kann – die Lektüre erfordert jedoch viel Grips vom Leser. Belegt, daß man komplizierteren Phänomenen wie Wagner nicht mit einfach-pauschal-verkürzenden pseudowissenschaftlichen Vorurteilen und Vorverurteilungen beikommt. Auch der vieldiskutierte Aufsatz Wagners über „Das Judentum in der Musik“ wird hier – meiner Meinung nach - erstmals richtig bewertet.

Barry Millington „The Wagner Compendium“, 1992
sehr gut, wirklich nützlich

Ulrike Kienzle „Daß wissend würde die Welt!“ , 2005
Hervorragende Musikwissenschaftlerin und Wagnerkennerin

Constantin Grun „Arnold Schönberg und Richard Wagner“, 2006
Super! Umfangreich, keine Kleinigkeit! Anspruchsvoll
Konrad Bach „Wagner und die Religion“, 2006

Peter Steinacker „Wagner und die Religion“, 2008
Steinackers Buch ist zu diesem Thema die wesentlichere und umfangreichere Arbeit

Jutta Georg-Lauer „Dionysos und Parsifal - Eine Studie zu Nietzsche und Wagner“, 2011
zu theoretisierend
A.S. Byatt „Ragnarök - Das Schicksal der Götter“
Poetische Einblicke einer Dichterin
„Das Wagner Lexikon“, Laaber-Verlag 2012

Christian Thielemann „Mein Leben mit Wagner“, 2013
Unter den vielen Veröffentlichungen berufener und unberufener Geister zum Wagner-Jubiläumsjahr 2013 ragt Christian Thielemanns erstes Buch „Mein Leben mit Wagner“ negativ heraus. In diesem Buch kommt – merkwürdig genug – einerseits ein zu geringes Wissen über Richard Wagners Werk und Person zum Ausdruck, und andererseits herrscht eine zu große Einseitigkeit nur für Richard Wagner. Es fehlen Weite, Größe, Bedeutung, Kraft und Gewicht, Inspiration, aber auch Details und Delikatesse. Es ist keine Grundaussage vorhanden (und das ist die Grundaussage), es handelt sich um ein reines „Karrierebuch".

Unikum:
Ernst von Pidde „Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ im Lichte des deutschen Strafrechts“, 1933 / 2003
Sehr scharfsinnig, witzig und empfehlenswert! Ein Hammer!
Wagnerliteratur · 04
Mythologie der Germanen
(zum Verständnis von Wagners „Ring“ unverzichtbar):
P. Cornelius Tacitus „Germania“, 98 n.u.Z., (Hg. von Manfred Fuhrmann 1971)
„Thidrekssaga“
„Das Nibelungenlied“ (Herausgabe Friedrich Heinrichs von der Hagen 1810, sowie einschlägige weitere Veröffentlichungen dieses Autors)
„Prosa-Edda“ (Snorri Sturluson, 1230)
„Lieder-Edda“ (seit 874, Besiedelung Islands)
„Germanische Götter- und Heldensagen“ (verschiedenste Ausgaben)
Die Herausgaben und Arbeiten des Altphilologen und Germanisten Karl Konrad Friedrich Wilhelm Lachmann im 19. Jhdt.
Jakob Grimm „Deutsche Mythologie“, 1835
Karl Simrock „Handbuch der deutschen Mythologie“, 1878
Elard Hugo Meyer „Mythologie der Germanen“, 1903
unverzichtbar – was haben doch diese Leute damals gewußt!

Wolfgang Golther „Handbuch der Germanischen Mythologie“, 1908
ebenso gut. Entweder dieses oder das obige Buch von Meyer müssen Sie haben! Sonst keine Kenntnis der Germanen und ihrer Vorstellungen möglich!
Eugen Mogk „Germanische Religionsgeschichte und Mythologie“, 1927
Helmut Berndt „Die Nibelungen“, 1979
Walter Hansen „Asgard – Entdeckungsfahrt in die germanische Götterwelt“, 1985

Rudolf Simek „Lexikon der germanischen Mythologie“, 1984/1994
sehr nützlich!
Reinhold Kaiser „Die Burgunder“, 2004
P.M. History „Das geheimnisvolle Leben der GERMANEN“, 2005
Uwe Kersken, Helfried Spitra „Die Germanen“, 2007
Heinz Ritter-Schaumburg „Die Nibelungen zogen nordwärts“, 2007
nicht empfehlenswert, abwegige Thesen
P.M. History „Die Welt der Kelten und Germanen“, 2008
Reclams „Lexikon der germanischen Mythologie und Heldensagen“, 2010
Wagnerliteratur · 05
Fachspezifische musikwissenschaftliche Wagnerliteratur, bezogen auf den „Ring des Nibelungen“ incl. der jeweiligen Motivanzahl:
Hans von Wolzogen „Thematischer Leitfaden zum Ring des Nibelungen“, 1876 (90 Motive)
Maßstabgeber, zu Unrecht bis heute verunglimpft. Wolzogens Kritiker wußten/wissen nicht 10 Prozent dessen, was er drauf hatte, falls sie überhaupt in der Lage waren/sind, verschiedene Motive voneinander zu unterscheiden...
Gottlieb Federlein 1871/72 Aufsätze zu „Rheingold“ und „Walküre“ anläßlich der Münchener Uraufführungen mit Angabe von Leitmotiven
Gesamtzahl der Leitmotive liegt unter der von Wolzogen angegebenen, die Original-Literatur ist mir leider nicht verfügbar
Hermann Freiherr von der Pfordten „Handlung und Dichtung der Bühnenwerke Richard Wagners“, 1890 / 1914 daraus: Der Ring des Nibelungen (38 Motive)
Gustav Kobbé „Wagner´s Life and Works“, 1890 (71 Motive beim Nibelungenring)
Otto Neitzel „Richard Wagners Opern - Der Nibelungenring“, 1893 / 1983 (90 Motive)
Max Chop „Vademecum für Wagnerfreunde - Der Nibelungenring“, 1893 (116 Motive)
August Göllerich „Wagners Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen“, 1897 (108 Motive)
Arthur Smolian „Richard Wagners Der Ring des Nibelungen“, 1901 (114 Motive)
diese Leute Neitzel, Chop, Göllerich, Smolian waren wirklich „fit“
Richard Sternfeld „Zur Entstehung des Leitmotivs bei Richard Wagner“
( 1907) sowie seine Entgegnung auf Kritiker seines Artikels (1907)
Alfred Lorenz „Der Ring Des Nibelungen - Der Musikalische Aufbau“, 1924
tiefschürfende formale Analysen. „Leitmotive“ im Sinne Wolzogens u.a. werden genannt.
Felix Groß „Der Mythos Richard Wagners“, 1931 (45 Motive beim Nibelungenring)
The 1927 – 1932 „Potted“ Ring Cycle (HMV) (90 Motive)
Kurt Overhoff „Die Musikdramen Richard Wagners - Der Ring des Nibelungen“, 1967 (85 Motive)
sehr geistvoll
Erich Rappl „Wagner Opernführer“, 1967 „Der Ring des Nibelungen“ (110 Motive)
mein würdiger Vorgänger in Bayreuth, er hatte es ebenfalls „drauf“, große Tiefenkenntnis, knappe, uneitle Diktion
Robert Donington „Richard Wagners Ring des Nibelungen und seine Symbole“, 1963 / 1976 (91 Motive)
Deryck Cooke „An Introduction To The Ring“ (Beiheft zum Solti-„Ring“ , 1968)

Deryck Cooke „I Saw The World End“, 1979 (59 Motive)
beide Cooke´schen Werke sind fachlich hervorragend, angelsächsisch nüchtern, objektiv und wissenschaftlich sauber

Friedrich Oberkogler „Vom Ring zum Gral“, 1978 (67 Motive für den Nibelungenring)
die esoterische Sichtweise im Sinne Rudolf Steiners, sehr erhellend

Kurt Pahlen gab alle vier „Ring“-Opern in der Reihe „Opern der Welt“ als Erklärungsbücher mit Text, Motiven, Geschichte usw. heraus Goldmann-Schott, 1982/83 (90 Motive)
äußerst brauchbar
Wolfgang Perschmann „Die optimistische Tragödie“, 1986 (110 Motive)
sehr gut, bewundernswert. Einer, der die Musik genau kennt, und ebenfalls einen tiefen, eher esoterischen Blick aufweist.
M. Owen Lee „Wagner´s Ring – Turning the Sky Round“ (1990)
(24 Motive)
Peter Wapnewski „Weißt Du Wie das Wird - Richard Wagner Der Ring Des Nibelungen“, 1995
(ca. 60 Motive)
Jim Holman „Wagner´s Ring“, 1996 (145 Motive)
Peter Rümenapp „Zur Rezeption der Leitmotivtechnik Richard Wagners im 19. Jahrhundert“, 2002 (70 Motive beim Nibelungenring)

Uwe Faerber „Ersichtlich gewordene Taten der Musik“, 2003 (100 Motive)
sehr gut
Christian Thorau „Semantisierte Sinnlichkeit - Studien zu Rezeption und Zeichenstruktur der Leitmotivtechnik Richard Wagners“, 2003
Christian Berger „Leitmotive in den harmonischen Kraftfeldern von Wagners „Rheingold“, 2004
unnotwendig
Peter Berne „Apokalypse - Musik und geistige Aussage des Ring“, 2006 (83 Motive)

Nora Weyer „Die Geburt der Filmmusik aus Wagners Musikdrama“, 2007
unnotwendig, trotz des höchst interessanten und berechtigten Themas!
Danko Drusko „Ein Diskurs über Leitmotive und ihre Anwendung in R. Wagners „Ring der (!) Nibelungen“ und J. Williams´“Star Wars“ (2010?)
darüber müßte man eine wirklich gute Arbeit schreiben! Auch hier liegt ein in hohem Grade berechtigtes und interessantes Thema vor.



