Stefan Mickisch

1962–2021

Stefan
Mickisch.

Pianist. Erzähler. Entdecker.

An Stefan Mickisch in WalhallNachrufe & Erinnerungen

Pianist · Musikvermittler

Ein Leben, das Musik zum Sprechen brachte.

Stefan Mickisch verband die Virtuosität eines Konzertpianisten mit der Neugier eines Forschers und der Freude am Erzählen. Wer ihm zuhörte, begegnete Opern und Sinfonien von innen: Motiven, die sich verwandeln, Tonarten, die eine Szene färben, und Gedanken, die weit über die Noten hinausreichen. Am Flügel führte er vor, wovon er sprach. Aus dem Wechsel zwischen Spiel und Erklärung entstand seine unverwechselbare Form des Gesprächskonzerts.

Sein Weg begann in Schwandorf in der Oberpfalz. In einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, erhielt er mit vier Jahren Klavierunterricht bei seinem Vater Heinrich Mickisch. 1969 stand er in Waldmünchen erstmals öffentlich auf der Bühne. Später kamen Violine, Viola, Orgel und Improvisation hinzu. Diese unterschiedlichen Erfahrungen prägten seinen Blick auf eine Partitur: Er hörte nicht nur das Klavier, sondern auch Stimmen, Streicher und das ganze Orchester.

Stefan Mickisch am Flügel – Spiel und Erklärung im Dialog.
Stefan Mickisch am Flügel – Spiel und Erklärung im Dialog.

01 / STEFAN MICKISCH

Eine Oper wird am Flügel lebendig.

Das Gesprächskonzert war für Mickisch ein eigener künstlerischer Raum. Er spielte, erläuterte und improvisierte; stellte musikalische Verwandtschaften her und verband sie mit Literatur, Geschichte und Philosophie. Seine Beschäftigung mit diesen Gebieten gehörte ebenso zur Vorbereitung wie das Studium der Noten. Eine Erklärung sollte sich am Klang bewähren – unmittelbar hörbar, während die Hände schon wieder auf den Tasten lagen.

Den Grund dafür legte eine umfassende Ausbildung in Nürnberg, Hannover und Wien. Zu seinen Lehrern gehörten Erich Appel, Karl-Heinz Kämmerling und Leonid Brumberg. Hinzu kamen Meisterkurse und das Studium der musikalischen Phänomenologie bei Sergiu Celibidache. Mickisch blieb dabei auch der Kammermusik und dem Orchesterspiel verbunden. Sein Interesse an musikalischen Zusammenhängen ging weit über das eigene Instrument hinaus.

Das Gesprächskonzert: die Partitur im Blick, das Publikum im Gespräch.
Das Gesprächskonzert: die Partitur im Blick, das Publikum im Gespräch.

02 / STEFAN MICKISCH

Wagner verstehen. Immer wieder neu.

1993 gab ein Künstleraufenthalt am Virginia Center for the Creative Arts in den USA den Anstoß zu ersten Wagner-Gesprächskonzerten. Mickisch erarbeitete sich dort die „Götterdämmerung“ am Klavier und erläuterte Wagners Musik auf Englisch. In den folgenden Jahren erschloss er sich die Partituren und Klavierauszüge sämtlicher Wagner-Opern. 1994 erschien seine erste Wagner-CD; 1996 führte ihn eine Wagner-Tournee durch zahlreiche Länder.

Ab 1998 wurde Bayreuth zu einem zentralen Ort seines Wirkens. Bis 2014, mit einer Pause 2012, gestaltete er die sommerlichen Einführungsmatineen vom Flügel aus. Er folgte den Werken, ihren Leitmotiven, harmonischen Verbindungen und gedanklichen Hintergründen. Auch außerhalb dieser Matineen spielte er in Bayreuth; die Aufnahme „Auf Wagners Steinway“ entstand 2000 im Haus Wahnfried. 2019 kehrte er mit elf Konzertgesprächen zu den Festspielen zurück.

03 / STEFAN MICKISCH

Weit über Wagner hinaus.

Mickischs Repertoire reichte von Bach und Mozart über Beethoven und Schumann bis zu Richard Strauss, Korngold und Schreker. Seit 2006 gestaltete er einen eigenen jährlichen Konzertzyklus im Wiener Konzerthaus. Seine Konzertbilanz zum fünfzigjährigen Bühnenjubiläum 2019 verzeichnet rund 2.500 Auftritte in 36 Ländern. Gesprächskonzerte hielt er auf Deutsch, Englisch, Französisch und Japanisch.

Die seit 1991 im eigenen Verlag Fafnerphon erschienenen Aufnahmen bewahren diese Arbeit: Klavierspiel und Erläuterung, große Werkzusammenhänge und das genaue Hinhören auf ein einzelnes Motiv. Sie laden dazu ein, vertraute Musik erneut zu entdecken und sich an Unbekanntes heranzuwagen. Hier bleiben Stefan Mickischs Stimme, sein Spiel und seine Sicht auf die Musik zugänglich.

„Immer werde ich für euch spielen!“
Aufnahmen entdecken

Stationen eines Musikerlebens.

  1. 1962

    Geboren in Schwandorf in der Oberpfalz.

  2. 1969

    Erstes öffentliches Konzert in Waldmünchen.

  3. 1982–1991

    Studien in Hannover und Wien nach der Ausbildung in Nürnberg.

  4. 1991

    Erste CD im eigenen Verlag Fafnerphon.

  5. 1993

    Erste Wagner-Gesprächskonzerte während eines Künstleraufenthalts in den USA.

  6. 1998

    Beginn der Einführungsmatineen zu den Bayreuther Festspielen.

  7. 2006

    Beginn des eigenen Konzertzyklus im Wiener Konzerthaus.

  8. 2019

    50-jähriges Bühnenjubiläum und Stefan Mickisch Musik Festspiele.

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