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Stefan Mickisch – Klaviersolo – Ring-Finali – 2 CDs

Richard Wagner

Ring-Finali

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Ring-Finali

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Über diese Aufnahme

STEFAN MICKISCH spielt Richard Wagners - Ring-Finali 
Die Ring-Finali in eigenen Transkriptionen - die Urgewalt der Elemente In Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk Aufnahme: 1. - 3. April 2003

Inhalt dieser Aufnahme

Ring-Finali – Wagners Schlusswelten auf dem Klavier

Vier Schlusswelten aus Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ bilden den Gegenstand dieser Doppel-CD. Stefan Mickisch spielt sie in eigenen Transkriptionen für Klavier: den Einzug der Götter in Walhall, Wotans Abschied mit Feuerzauber, die Begegnung Siegfrieds mit Brünnhilde und den letzten Weg von Siegfrieds Erzählung bis zum Ende der „Götterdämmerung“. Die Aufnahme entstand vom 1. bis 3. April 2003 in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk. Das Programm folgt den dramatischen Stationen und gibt auch längeren Szenen Raum. Am Flügel kommen Gesangslinien, Motive und orchestrale Bewegungen in einer einzigen Besetzung zusammen. Die „Ring-Finali“ zeigen Mickisch als Pianisten und Bearbeiter, der Wagners große Abschlüsse als eigenständigen musikalischen Verlauf gestaltet.

Der Schluss als entscheidender Ort des Dramas

Die vier Teile des „Ring“ enden sehr verschieden. „Das Rheingold“ führt die Götter in ihre neue Burg, „Die Walküre“ trennt Vater und Tochter, „Siegfried“ endet mit einer Liebesbegegnung, und die „Götterdämmerung“ lässt die bestehende Ordnung zusammenbrechen. Jeder Schluss bündelt das vorherige Geschehen und öffnet zugleich eine Perspektive auf das, was daraus folgt. Diese unterschiedlichen Aufgaben verbinden die ausgewählten Szenen des Albums. Der Titel benennt deshalb keine bloße Folge lauter Schlussakkorde, sondern ausgedehnte dramatische und musikalische Verläufe.

Die erste CD enthält die Abschnitte aus „Rheingold“, „Walküre“ und „Siegfried“. Die zweite gehört der „Götterdämmerung“ und beginnt bereits bei Siegfrieds Erzählung aus seiner Jugend. So wird dessen Tod aus einem Zusammenhang heraus erreicht. Mickischs eigene Transkriptionen führen die Musik auf dem Klavier zusammen. Die Gesangspartien müssen dabei in eine instrumentale Darstellung aufgenommen werden, während motivische Zusammenhänge und Begleitbewegungen ihre Bedeutung behalten. Das Programm macht diese Arbeit der Übertragung über längere Strecken erfahrbar.

Walhall: eine Ankunft mit ungelösten Voraussetzungen

Der Einzug der Götter in Walhall beschließt „Das Rheingold“. Nach außen ist ein Ziel erreicht: Die Burg steht, und Wotan kann sie in Besitz nehmen. Die Voraussetzung dieser Ankunft bleibt jedoch belastet. Der Ring wurde durch Gewalt gewonnen, weitergegeben und mit einem Fluch verbunden; die Rheintöchter haben ihr Gold nicht zurückerhalten. Der feierliche Schluss trägt deshalb einen Widerspruch in sich. Der Glanz einer neuen Herrschaft und die Erinnerung an ihr Unrecht existieren zur gleichen Zeit.

Als erster Abschnitt des Albums eröffnet diese Szene eine ganze Welt von Macht, Anspruch und Vorahnung. Eine Klaviertranskription muss die festliche Breite mit den anderen Stimmen des Geschehens in Beziehung setzen. Das betrifft weniger die Nachahmung jedes Orchesterinstruments als die Gewichtung der musikalischen Ebenen. Welche Linie tritt hervor, welche Bewegung setzt sich fort, wo verdichtet sich der Klang? Die Schlussszene bietet dafür viele Anlässe. Zugleich schafft sie einen Ausgangspunkt, von dem aus die späteren, sehr persönlichen Abschiede des Zyklus umso stärker hervortreten.

Wotan und Brünnhilde: Strafe, Liebe und Schutz

Die „Walküre“ endet mit einer Entscheidung, die Wotan als Herrscher durchsetzen muss und als Vater schmerzhaft erlebt. Brünnhilde hat gegen seinen Befehl gehandelt und zugleich etwas von seinem eigenen Wunsch erkannt. Ihr Ausschluss aus der göttlichen Gemeinschaft ist deshalb keine einfache Bestrafung einer fremden Gegnerin. Das Gespräch zwischen beiden legt den inneren Konflikt offen. Der Weg zum Abschied führt durch Einwand, Bitte und die Suche nach einer Form, die Brünnhildes künftige Verletzlichkeit begrenzen kann.

Das Album gliedert diesen Verlauf in mehrere Abschnitte: Brünnhildes Hinweis auf die Liebe, die Wotan ihr ins Herz gegeben habe, seinen großen Abschied und den Feuerzauber. Die Musik kann dadurch sowohl den Gesprächscharakter als auch den Übergang in einen anderen Zustand bewahren. Am Ende umgibt Feuer die schlafende Brünnhilde. Die Grenze ist Schutz und Prüfung zugleich. Für die Klavierfassung stehen melodische Nähe und elementare Bewegung nebeneinander. Der intime Abschied mündet in einen Klangraum, der über das persönliche Gespräch hinausweist.

Siegfrieds Begegnung mit dem Unbekannten

Mit der Feuerdurchschreitung gelangt Siegfried auf den Felsen. Die vorher errichtete Grenze wird nun überwunden, und der Ort erscheint aus einer anderen Perspektive. Der Held findet eine schlafende Gestalt, die seine bisherigen Erfahrungen übersteigt. Im Track „Das ist kein Mann!“ wird dieser Erkenntnismoment ausdrücklich benannt. Die Begegnung führt ihn an eine Grenze seiner Selbstsicherheit. Stärke und Furchtlosigkeit reichen nicht aus, um die neue Situation sofort zu verstehen. Wagners Musik lässt das Erkennen Zeit brauchen.

Es folgen Brünnhildes Erwachen und das Liebesduett. Die Figuren erreichen einander nicht durchgehend im selben Tempo. Für Brünnhilde bedeutet das Erwachen auch den Verlust ihrer bisherigen göttlichen Existenz; für Siegfried öffnet sich ein ihm unbekannter menschlicher Bereich. Die Klavierfassung kann diese unterschiedlichen Bewegungen durch wechselnde Linien und Gewichte darstellen. Das Album gibt der Szene mehrere Stationen und bewahrt damit ihre innere Entwicklung. Die Schlusswirkung entsteht aus den vorherigen Unsicherheiten und aus dem Versuch, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Vom Liebesduett zu Siegfrieds letzter Erinnerung

„Ewig war ich“ stellt im „Siegfried“-Teil auch eine Verbindung zum „Siegfried-Idyll“ her. Dadurch wird eine musikalische Verbindung sichtbar, die über den unmittelbaren Bühnenzusammenhang hinausreicht. Es folgen „Dich lieb’ ich“ und der Schluss des Werkes. Die erste CD endet also mit einer gewonnenen Gemeinsamkeit. Als Teil des gesamten „Ring“ bleibt dieser Zustand jedoch vorläufig. Die zweite CD zeigt, wie Erinnerungen an diese Begegnung später in eine völlig andere dramatische Lage zurückkehren.

Siegfrieds Erzählung aus Jugendtagen beginnt zunächst als Rückblick. In der „Götterdämmerung“ ist sie jedoch Teil einer tödlichen Situation. Siegfrieds wiedergewonnene Erinnerung legt seine frühere Beziehung zu Brünnhilde offen; Hagen benutzt die Erzählung als Vorwand für den Mord. Nach Siegfrieds Tod folgt der Trauermarsch. Hier erzählt das Orchester Zusammenhänge, die weit über den einzelnen Augenblick hinausgehen. Die Transkription für Klavier übernimmt diese erinnernde Funktion und hält Motive verschiedener Stationen der Geschichte in einem gemeinsamen musikalischen Raum gegenwärtig.

Brünnhildes Schlussgesang und das Ende der Ordnung

Die letzten beiden Abschnitte gehören Brünnhildes Schlussgesang und „Fliegt heim, ihr Raben!“. Sie erkennt den Zusammenhang des Geschehenen und führt Entscheidungen herbei, die den Ring an seinen Ursprung zurückbringen. Feuer, Wasser und das Ende Walhalls werden zum Teil derselben Schlussbewegung. Die persönlichen Verluste bleiben darin präsent, obwohl die Szene den Maßstab einer ganzen Welt annimmt. Das Finale verlangt, einzelne Erinnerungen und den großen Verlauf gleichzeitig zu tragen.

Die Doppel-CD verbindet fünfzehn Stationen, die Wagners Abschlüsse in ihrer Verschiedenheit erfahrbar machen. Triumph, Trennung, Liebesbegegnung und Untergang brauchen jeweils eine andere musikalische Zeit. Mickischs Klavierspiel übernimmt hier die vollständige Darstellung; gesprochene Werkkommentare sind nicht das Prinzip dieses Programms. Die Auswahl gibt vielmehr den langen Bögen Raum, innerhalb derer Motive ihre Bedeutung verändern. Wer die Bühnendramen kennt, kann ihre Beziehungen im konzentrierten Klaviersatz verfolgen. Zugleich lässt sich die Aufnahme als zusammenhängender Abend von Schlussbildern hören, deren letzte Antwort erst mit dem Ende der „Götterdämmerung“ erreicht wird.

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